Tagging Done Right – Operative Mindestanforderungen für ein belastbares Cloud-Kostenmodell

In der Welt des Cloud Finan­cial Manage­ments (CFM) ist Tag­ging weit mehr als nur ein tech­ni­sches Nice-to-have. Ohne eine sau­be­re, kon­sis­ten­te und durch­gän­gi­ge Tag­ging-Stra­te­gie lässt sich kaum eine belast­ba­re Kos­ten­ana­ly­se durch­füh­ren. Doch vie­le Unter­neh­men schei­tern bereits an den Basics: feh­len­de Stan­dards, man­gel­haf­te Dis­zi­plin bei der Umset­zung, kei­ne Kon­trol­le. Die­ser Arti­kel zeigt dir, wie du ein ope­ra­ti­ves Tag­ging-Modell auf­baust, das wirk­lich funk­tio­niert – pra­xis­nah, ska­lier­bar und mit sofor­ti­gem Nut­zen.

Warum Tagging für CFM unverzichtbar ist

Cloud-Anbie­ter wie AWS, Azu­re und Goog­le Cloud bie­ten unzäh­li­ge Res­sour­cen­ar­ten an – vom Sto­rage-Bucket bis zur Mana­ged Data­ba­se. Nur durch Tags kannst du die­se Kos­ten gra­nu­lar auf Kos­ten­stel­len, Pro­jek­te, Umge­bun­gen oder Ser­vices auf­tei­len. Ohne Tags:

  • Kei­ne dif­fe­ren­zier­te Kos­ten­ana­ly­se
  • Kein Showback/Chargeback
  • Kei­ne Opti­mie­rung nach Nut­zungs­art oder Lebens­zy­klus

Ope­ra­ti­ves CFM beginnt mit einem sau­be­ren Daten­mo­dell – und das heißt: mit Tag­ging.

Mindestanforderungen für operatives Tagging

Es braucht kei­ne 20 Tags pro Res­sour­ce. Ein prag­ma­ti­scher Ansatz bringt meist mehr. Hier ein ope­ra­ti­ves Mini­mum-Set:

Tag-Key

Zweck

Cos­t­Cen­ter

Zuwei­sung zu Abteilungen/Teams

Envi­ron­ment

Prod, Dev, Test, QA usw.

Appli­ca­ti­on

Kla­rer Bezug zu einer Appli­ka­ti­on

Owner

Ver­ant­wort­lich­keit bei offe­nen Fra­gen

Pro­ject

Tem­po­rä­re Zuord­nung für Pro­jek­te

Die­se 4–5 Tags rei­chen in vie­len Unter­neh­men aus, um 80 % der Use Cases abzu­de­cken.

Wer ist für das Tagging verantwortlich?

Hier ver­sa­gen vie­le Set­ups: Tags wer­den ent­we­der durch zen­tra­le IT oder durch Ent­wick­ler gesetzt – aber nicht ein­heit­lich. Eine sau­be­re Ver­ant­wor­tungs­zu­wei­sung ist Pflicht:

  • Cen­tral­ly enforced Tags: Zen­tra­le Poli­ci­es set­zen Pflicht-Tags in Ter­ra­form, Cloud­For­ma­ti­on oder ARM Tem­pla­tes.
  • Ver­ant­wort­li­che pro Team: Jedes Pro­dukt­team pflegt sei­ne Tags und wird regel­mä­ßig geprüft.
  • Ops als Gate­kee­per: Betriebs­teams las­sen kei­ne unge­tagg­ten Res­sour­cen zu.

Das Ziel ist ein gemein­sa­mes “Con­tract of Respon­si­bi­li­ty” für Tag­ging.

Technische Umsetzung: So machst du es richtig

Je nach Cloud-Anbie­ter gibt es unter­schied­li­che Wege:

  • AWS: Tag Poli­ci­es, SCPs, AWS Con­fig, Cloud­For­ma­ti­on, Cost Allo­ca­ti­on Tags
  • Azu­re: Azu­re Poli­cy, Initia­ti­ve Defi­ni­ti­ons, ARM Tem­pla­tes, Cost Manage­ment
  • Goog­le Cloud: Labels (funk­tio­nal wie Tags), Poli­cy Cons­traints

Best Prac­ti­ce: Tags nicht nur dekla­ra­tiv set­zen, son­dern auch vali­die­ren und doku­men­tie­ren.

Umgang mit nicht-tagbaren Ressourcen

Nicht jede Res­sour­ce lässt sich tag­gen. Typi­sche Bei­spie­le:

  • Netz­werktraf­fic
  • Shared Ser­vices (z. B. VPN, NAT Gate­ways)
  • Eini­ge Daten­bank­diens­te

Hier hel­fen soge­nann­te Cost Attri­bu­ti­on Models:

  • Manu­el­le Zuwei­sung durch Pro­por­tio­na­li­tät (z. B. nach Anzahl VMs)
  • Nut­zung von Lin­ked Accounts/Subscriptions zur Tren­nung
  • Zusatz-Tag­ging auf parent-Res­sour­cen

Wich­tig: Die­se Zuwei­sun­gen soll­ten doku­men­tiert und regel­mä­ßig über­prüft wer­den.

Tagging-Qualität überwachen

Ein­mal ein­ge­führ­tes Tag­ging ist schnell ver­ges­sen. Des­halb braucht es ein ein­fa­ches, aber kon­se­quen­tes Moni­to­ring:

  • Anteil der getagg­ten vs. unge­tagg­ten Res­sour­cen
  • Anteil vali­der Tag-Wer­te (z. B. kein “123” bei Cos­t­Cen­ter)
  • Ver­al­te­te Tags (z. B. abge­schlos­se­ne Pro­jek­te)

Tool-Tipps:

  • AWS: Cost Explo­rer, CUR + Athe­na, Third-Par­ty Tools
  • Azu­re: Azu­re Cost Manage­ment + Power BI
  • GCP: Big­Query + Loo­ker Stu­dio

Das Minimum Viable Tagging (MVT) etablieren

Ein prag­ma­ti­scher Ein­stieg spart Zeit und schafft schnel­le Ergeb­nis­se. Das MVT:

  • Defi­niert 3–5 Pflicht-Tags
  • Bezieht zen­tra­le und dezen­tra­le Teams mit ein
  • Nutzt auto­ma­ti­sier­te Checks (z. B. Ter­ra­form-Lin­ter)
  • Wird alle 3 Mona­te eva­lu­iert und wei­ter­ent­wi­ckelt

So ver­mei­dest du Over­en­gi­nee­ring und erreichst trotz­dem eine hohe ope­ra­ti­ve Qua­li­tät.

Tagging the right things right

Dashboards und Auswertungen auf Basis von Tags

Ein­mal gut getaggt, las­sen sich vie­le Aus­wer­tun­gen direkt umset­zen:

  • Kos­ten je Pro­jekt, Abtei­lung, Anwen­dung
  • Cloud-Aus­ga­ben nach Umge­bung (Prod/Dev/Test)
  • Monat­li­cher Trend pro Cos­t­Cen­ter
  • Auf­wän­di­ge Res­sour­cen ohne Owner

Die­se Dash­boards kön­nen in Tools wie Power BI, Tableau, AWS Quick­sight oder Azu­re Work­books gebaut wer­den.

Häufige Fehler und wie du sie vermeidest

  • Zu vie­le Tags: Führt zu Inkon­sis­tenz. Lie­ber klein star­ten.
  • Kei­ne Vali­die­rung: Ungül­ti­ge Wer­te schlei­chen sich ein.
  • Kei­ne Gover­nan­ce: Nie­mand fühlt sich zustän­dig.
  • One-Time-Effort: Tag­ging ist ein Pro­zess, kein Pro­jekt.

Fazit: Gutes Tagging ist das Fundament für operatives CFM

Ohne ein sau­be­res Tag­ging-Modell bleibt jede Cloud-Kos­ten­ana­ly­se im Nebel. Ope­ra­ti­ves CFM lebt davon, dass Kos­ten sicht­bar, ana­ly­sier­bar und beein­fluss­bar sind – und dafür sind Tags der Schlüs­sel. Mit einem Mini­mum Via­ble Tag­ging kannst du inner­halb weni­ger Wochen eine belast­ba­re Basis schaf­fen und so Report­ing, Char­ge­back und Opti­mie­rung ope­ra­tiv in den Griff bekom­men.

Nächste Schritte (Handlungsempfehlung)

  1. Defi­nie­re 3–5 Pflicht-Tags für dei­ne Cloud-Res­sour­cen
  2. Lege fest, wer für das Tag­ging ver­ant­wort­lich ist
  3. Inte­grie­re Tag­ging in dein CI/CD (z. B. Ter­ra­form)
  4. Baue ein ein­fa­ches Moni­to­ring-Dash­board
  5. Star­te mit einem Tag­ging-Audit für 2–3 Accounts oder Sub­scrip­ti­ons

Dann steht dei­nem ope­ra­ti­ven Cloud-Kos­ten­mo­dell nichts mehr im Weg.