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In vielen Unternehmen existieren Cloud-Kostenmanagement (FinOps) und IT Asset Management (ITAM) als parallele Disziplinen mit unterschiedlichen Zielsetzungen. Während FinOps für die Transparenz und Steuerung der Cloud-Ausgaben zuständig ist, fokussiert sich ITAM auf die Verwaltung physischer und virtueller IT-Ressourcen – von Servern bis hin zu Softwarelizenzen.
In der Praxis ergeben sich jedoch viele Schnittmengen: Beide Disziplinen verfolgen das Ziel, IT-Ressourcen effizient, kostengünstig und compliance-konform zu nutzen. Eine systematische Verzahnung dieser Bereiche fördert nicht nur die Kostenkontrolle, sondern auch die betriebliche Effizienz und strategische Steuerung.
Gemeinsame Datenbasis etablieren
Die Voraussetzung für jede Zusammenarbeit ist eine konsistente, gemeinsame Datenbasis. Oft arbeiten FinOps-Teams mit Cloud-Metadaten und Abrechnungsdaten, während ITAM-Teams auf Inventardaten, Vertragsinformationen und Lifecycle-Daten zurückgreifen.
Empfehlung: Führe die Datenquellen in einem zentralen Repository oder über Integrationen zusammen (z. B. via CMDB, ITFM-Tool oder Cloud-Kostenplattform). Wichtig ist eine standardisierte Asset-ID, die sowohl in Cloud-Ressourcen als auch in lokalen Systemen referenziert wird.
Gemeinsames Tagging-Konzept fördern
Cloud-Tagging ist ein zentrales FinOps-Instrument zur Zuweisung und Nachverfolgung von Kosten. Leider erfolgt das Tagging oft inkonsistent oder unvollständig.
Lösung: ITAM kann helfen, einheitliche Namenskonventionen und Verantwortlichkeiten zu definieren. Eine enge Zusammenarbeit beider Teams bei der Tagging-Strategie verbessert die Qualität der Datenbasis für Kostenanalysen erheblich.
Lifecycle-Kosten besser managen
ITAM dokumentiert die Lebenszyklen von Assets (Anschaffung, Nutzung, Stilllegung). FinOps kann diese Daten nutzen, um die Kostenverläufe von Cloud-Ressourcen oder hybriden Infrastrukturen besser zu prognostizieren.
Beispiel: Eine Cloud-Datenbank, die seit 6 Monaten inaktiv ist, lässt sich möglicherweise stilllegen oder archivieren. ITAM liefert die Historie, FinOps analysiert die Kostenwirkung.
Lizenzmanagement in der Cloud optimieren
Ein großer Kostenfaktor liegt im ineffizienten Einsatz von Softwarelizenzen. Viele Unternehmen zahlen doppelt – für On-Prem- und für Cloud-Nutzung.
Empfehlung: Kombiniere Lizenzdaten aus ITAM mit den Nutzungsdaten aus FinOps, um ungenutzte oder doppelte Lizenzen zu identifizieren und zu eliminieren. Das betrifft insbesondere BYOL (Bring Your Own License)-Szenarien in Azure oder AWS.
Gemeinsame KPI-Modelle entwickeln
ITAM und FinOps verwenden unterschiedliche Kennzahlen. Ein abgestimmtes KPI-Set hilft, Transparenz und Steuerungsfähigkeit zu verbessern.
Typische gemeinsame KPIs:
- Kosten pro aktivem Asset
- Cloud-Ausgaben pro Nutzergruppe
- Lizenzkosten pro Anwendung
- Asset-Nutzungsgrad
Diese KPIs lassen sich in Dashboards integrieren, die sowohl operative Teams als auch Management nutzen können.
Reservierungen und Commitments strategisch einsetzen
FinOps befasst sich mit der optimalen Nutzung von Reserved Instances und Savings Plans. ITAM kann Input liefern, welche Ressourcen langfristig im Einsatz bleiben werden.
Praxisbeispiel: Wenn ITAM-Daten zeigen, dass bestimmte Systeme in den nächsten 12 Monaten unverändert laufen, können für diese Workloads kostengünstige Commitment-Pläne abgeschlossen werden.
Prozesse zur Stilllegung von IT-Ressourcen koordinieren
Ein großer Kostenfresser liegt in verwaisten oder nicht mehr genutzten Ressourcen. ITAM erfasst den Status von Assets, FinOps erkennt über Kostenmuster ineffiziente Nutzung.
Empfehlung: Gemeinsame Stilllegungsprozesse mit klaren Verantwortlichkeiten etablieren.
Beispiel: Ein Server wird im ITAM als „End-of-Life“ markiert – FinOps prüft, ob noch laufende Kosten existieren, und triggert die Abschaltung in der Cloud.
Schulungs- und Governance-Strukturen aufbauen
Die Integration beider Bereiche funktioniert nur mit einem gemeinsamen Verständnis. Schulungen, Awareness-Programme und definierte Governance-Strukturen sind entscheidend.
Praxisidee: Führe ein gemeinsames FinOps-ITAM-Board ein, das regelmäßig Datenqualität, Reporting und Optimierungspotenziale bewertet.
Fazit: Siloabbau zahlt sich aus
Die Verknüpfung von FinOps und IT Asset Management bietet zahlreiche Hebel zur Verbesserung von Transparenz, Effizienz und Kostenkontrolle. Durch eine gemeinsame Datenbasis, abgestimmte Prozesse und einheitliche KPIs entsteht ein integrierter Steuerungsansatz, der operative wie strategische Vorteile liefert.
