Entscheiden statt nur beobachten
In vielen Unternehmen sind sie bereits eingeführt: Dashboards, die Cloud-Kosten visualisieren. Doch zu oft sind sie kaum mehr als eine bunt gefärbte Kostenanzeige, deren Informationsgehalt sich auf das „Was“ beschränkt – nicht aber auf das „Warum“ und schon gar nicht auf das „Was nun?“.
Ein gutes Dashboard im Cloud Financial Management (CFM) liefert mehr als Zahlen. Es verbindet operative Echtzeitdaten mit wirtschaftlicher Relevanz. Es macht Kosten sichtbar, aber auch Potenziale, Risiken und Prioritäten. Und es spricht nicht nur Techniker oder Controller an, sondern Produktverantwortliche, Teamleiter und Strategen.
Dashboards als operatives Führungsinstrument
Im Zentrum steht ein Gedanke: Ein Dashboard soll nicht nur informieren, sondern befähigen.
Ein erfolgreiches CFM-Dashboard…
- fördert Verantwortung: Wer sieht, was sein Projekt kostet, denkt wirtschaftlicher.
- stärkt die Kostenkontrolle: Ausreißer, Überschreitungen und Anomalien werden sichtbar.
- erleichtert die Budgetsteuerung: Forecasts und Vergleiche mit Planwerten schaffen Transparenz.
- unterstützt Entscheidungen: Konkrete Handlungsempfehlungen ersetzen reines Monitoring.
- erhöht die Akzeptanz für FinOps-Prozesse – weil Nutzen erkennbar wird.
Was ein CFM-Dashboard wirklich leisten sollte
Der eigentliche Mehrwert eines Dashboards liegt nicht in der bloßen Darstellung von Metriken, sondern in der Verknüpfung technischer und wirtschaftlicher Informationen – stets im Kontext des Unternehmensziels. Dazu gehören insbesondere:
- Wirtschaftliche Sicht auf technische Ressourcen
Beispiel: Nicht „X Instanzen laufen in Region Y“, sondern:
- „Kosten durch Region Y betragen 17 % des Budgets für Projekt Alpha.“
- „Reserve Instances-Optionen könnten diese Last um 35 % günstiger abdecken.“
- „5 der 15 laufenden Instanzen sind ungenutzt (Idle).“
Mehrwert: Entscheidungen werden nicht auf Technik, sondern auf Effizienz und Zielerreichung ausgerichtet.
Zeitliche Entwicklung statt Momentaufnahme
Der Verlauf ist oft wichtiger als der aktuelle Stand:
- Kostentrends pro Projekt / Applikation / Business Unit
- Nutzungsprofile über Wochen/Monate hinweg
- Forecasts bis Quartalsende oder Jahresende
- Budgetverbrauchsrate (Burn Rate)
Mehrwert: Frühzeitiges Erkennen von Budgetüberläufen oder Wachstumschancen, strategisch abgesicherte Planung.
Kontextbezogene Alerts statt starrer Schwellenwerte
Alerts, die sich am Kontext orientieren, sind hilfreicher als rein technische Schwellen:
- „Kosten für Storage in Projekt Beta >15 % über Forecast“
- „Compute-Kosten steigen im Verhältnis zum Umsatz stärker als erwartet“
- „Über 20 % der Ressourcen sind ungetaggt – Zuordnung von 10.000 € nicht möglich“
Mehrwert: Verantwortliche werden gezielt angesprochen und erhalten konkrete Handlungsimpulse.
Rollenspezifische Sichten
Ein Dashboard sollte nicht für alle gleich aussehen.
|
Zielgruppe |
Fokus im Dashboard |
|
CIO |
Strategische Trends, Top-Spender, Cloudanteil |
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IT-Controller |
Budgetabweichungen, Forecasts, Einsparpotenziale |
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App Owner |
Applikationskosten, Nutzung, Optimierung |
|
FinOps-Team |
Taggingqualität, ungenutzte Ressourcen, Reservierungen |
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Business-Owner |
Kosten je Geschäftseinheit, Showback |
Mehrwert: Jeder Nutzer erhält für seine Rolle relevante, verständliche und entscheidungsrelevante Informationen.
Bestandteile eines effektiven Dashboards (konkrete Inhalte)
- Überblicksseite – der Management Summary
- Gesamtmonatliche Cloudkosten (mit Trendindikator)
- Budget vs. Ist vs. Forecast
- Top 5 Projekte / Applikationen / Accounts
- Anteil unzugeordneter Kosten
- Hinweise auf Budgetüberschreitungen
- Interaktive Tiefenanalyse
- Drill-Down nach Business-Einheit, Region, Produkt, Tag-Kategorie
- Historienverläufe (z. B. Kostendynamik über 6 Monate)
- Metriken wie Kosten/Transaktion, Kosten/Benutzer, Kosten/Umsatz
- Optimierungsübersicht
- Ressourcen mit niedriger Auslastung (z. B. EC2 < 15 % CPU)
- Snapshot-/Volume-Leichen
- Potenziale durch Reserved Instances / Savings Plans
- Alternativ-Szenarien („Was wäre wenn…“)
Wie entsteht aus einem Dashboard echter Entscheidungswert?
Ein gutes Dashboard ist kein Reporting, sondern ein Werkzeug zur Diskussion und Steuerung. Entscheidungswert entsteht nur, wenn:
- es regelmäßig aktualisiert wird (z. B. täglich, wöchentlich),
- es in Meetings eingebunden wird (z. B. FinOps-Review, QBRs),
- es verständlich bleibt (kein Jargon, klare Visualisierung),
- konkrete Empfehlungen ableitbar sind.
Beispielhafte Frage-Antwort-Kette:
- „Warum sind unsere Cloudkosten im Mai 12 % gestiegen?“
→ „Weil in Projekt Zeta die Instanzanzahl verdoppelt wurde.“
→ „War das produktionsbedingt oder Testumgebung?“
→ „Testlauf – keine automatische Abschaltung implementiert.“
→ „Lösung: Lifecycle-Richtlinie für Test-Instanzen.“
Akzeptanz schaffen: So wird das Dashboard zum genutzten Tool
Ein Dashboard entfaltet nur dann seine Wirkung, wenn es genutzt und verstanden wird. Dafür braucht es:
- Schulung der Stakeholder (App Owner, Controller, Teamleiter)
- Anwenderfokus: weniger Technik, mehr Business-Sprache
- Zugänglichkeit: über gängige Tools wie Power BI, Looker, Grafana etc.
- Verankerung in Routinen: CFM-Review, QBR, Sprint-Planning
Technische Umsetzung: Toolneutral denken
Ob AWS Cost Explorer, Apptio Cloudability, Power BI oder ein eigenes ELK-Stack-Dashboard – entscheidend ist nicht das Tool, sondern:
- die Verfügbarkeit strukturierter Daten (z. B. über APIs, CSV, LakeHouse)
- die Verknüpfung technischer und kaufmännischer Metriken
- die Benutzerführung und Visualisierung (Ampellogik, Schwellenwerte, Kontext)
Fazit: Sichtbarkeit schafft Verantwortung
Ein Dashboard, das Kosten sichtbar macht, ist hilfreich. Ein Dashboard, das Handlungen nahelegt, ist wertvoll. Doch ein Dashboard, das zum Standardinstrument der Steuerung wird – das ist Gold wert.
Cloud Financial Management lebt von Sichtbarkeit. Wer relevante, kontextbezogene Informationen in Dashboards bringt, legt den Grundstein für effizientes Handeln, strategisches Wachstum und gelebte FinOps-Kultur.
Wenn du diesen Schritt gehen willst, bieten wir ein Startpaket zur Dashboard-Einführung an: Basierend auf deinem aktuellen Kostenmodell erstellen wir eine strukturierte Auswertung und entwickle ein individuell angepasstes CFM-Dashboard mit operativem Mehrwert – rollenbasiert, entscheidungsfähig, umsetzungsnah. Mehr Informationen erhältst du direkt über unsere Website oder im persönlichen Gespräch.
Im nächsten Artikel unserer Reihe widmen wir uns einem häufig unterschätzten Thema:
„Warum Cloudkosten nicht linear mit der Nutzung steigen – und was das für die Kostenprognose bedeutet“.
Denn wer echte Transparenz will, braucht auch ein Verständnis für Skalierungseffekte, Preisstaffelungen und betriebliche Kipppunkte.
Bleib dran – und mach aus Zahlen Entscheidungen
