Wie mit Servicepreisen, Showback und Chargeback echter Handlungsspielraum gewonnen werden kann

IT-Abtei­lun­gen ste­hen heu­te nicht mehr nur als inter­ne Dienst­leis­ter im Hin­ter­grund – sie sind Part­ner für Wert­schöp­fung und Inno­va­ti­on. In die­ser Rol­le wird es immer wich­ti­ger, IT-Leis­tun­gen nicht nur zu erbrin­gen, son­dern auch betriebs­wirt­schaft­lich trans­pa­rent und steu­er­bar zu machen. Ein zen­tra­ler Hebel hier­für sind Ser­vice­prei­se, ergänzt durch Show­back- und Char­ge­back-Ver­fah­ren. Gemein­sam schaf­fen sie die Grund­la­ge, um IT-Kos­ten nicht nur zu ken­nen, son­dern auch gezielt zu steu­ern – und das mit unmit­tel­ba­rem Ein­fluss auf Bud­get­ver­ant­wor­tung, Nut­zungs­ver­hal­ten und stra­te­gi­sche Ent­schei­dun­gen.

Was sind Servicepreise – und warum werden sie gebraucht?

Ser­vice­prei­se sind defi­nier­te Kos­ten für klar abge­grenz­te IT-Ser­vices, etwa “1 TB Spei­cher monat­lich”, “1 vCPU mit 4 GB RAM” oder “1 Ser­vice Desk Ticket”. Sie sind mehr als nur ein Preis­schild – sie sind das Ergeb­nis einer Kos­ten­al­lo­ka­ti­on, die tech­ni­sche und kauf­män­ni­sche Sicht ver­eint.

Zie­le von Ser­vice­prei­sen:

  • Kos­ten­be­wusst­sein bei Fach­be­rei­chen för­dern
  • Ver­gleich­bar­keit schaf­fen (z. B. zu exter­nen Cloud-Ange­bo­ten)
  • Grund­la­ge für IT-Con­trol­ling, Pla­nung und Fore­casts
  • Steue­rung und Bewer­tung von Nut­zungs­ver­hal­ten ermög­li­chen

Wich­tig:
Ser­vice­prei­se müs­sen nach­voll­zieh­bar, kon­sis­tent und auf belast­ba­ren Daten auf­ge­baut sein. Je kla­rer die Kal­ku­la­ti­on, des­to höher die Akzep­tanz bei den Leis­tungs­emp­fän­gern.

Showback: Transparenz ohne Verrechnung

Beim Show­back-Ver­fah­ren wer­den IT-Kos­ten den ver­ur­sa­chen­den Orga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten (z. B. Fach­be­rei­che, Toch­ter­ge­sell­schaf­ten) nur zur Infor­ma­ti­on bereit­ge­stellt – es fin­det kei­ne Ver­rech­nung statt. Trotz­dem ent­fal­tet Show­back bereits eine star­ke Wir­kung:

Vor­tei­le:

  • Erhöht das Kos­ten­be­wusst­sein ohne Eska­la­ti­ons­po­ten­zi­al
  • Stärkt die daten­ba­sier­te Dis­kus­si­on zwi­schen IT und Fach­be­reich
  • Berei­tet die Ein­füh­rung von Char­ge­back vor
  • Unter­stützt Fore­cas­ting und Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen

Bei­spiel­haf­te Kenn­zah­len im Show­back:

Fach­be­reich

Anzahl VMs

Kosten/Monat

Ver­än­de­rung Vor­mo­nat

Ver­trieb

120

8.400 €

+4 %

Pro­duk­ti­on

95

6.200 €

-2 %

HR

35

2.300 €

0 %

Hier geht es nicht um Schuld­zu­wei­sung, son­dern um Trans­pa­renz: War­um stei­gen die Kos­ten? Wur­de mehr Leis­tung bezo­gen? Gibt es Alter­na­ti­ven?

Chargeback: Verrechnung als Steuerungsinstrument

Char­ge­back geht einen Schritt wei­ter: Die ver­ur­sach­ten Kos­ten wer­den den Orga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten ver­rech­net, oft über inter­ne Leis­tungs­ver­rech­nung oder ein ERP-Sys­tem.

Wir­kung von Char­ge­back:

  • IT-Kos­ten wer­den in die Bud­gets der Fach­be­rei­che inte­griert
  • Wirt­schaft­lich­keits­ent­schei­dun­gen rücken in den Fokus
  • Nut­zung wird aktiv gesteu­ert (z. B. Abschal­tung unge­nutz­ter Res­sour­cen)
  • IT wird als Part­ner auf Augen­hö­he wahr­ge­nom­men

Kri­ti­sche Erfolgs­fak­to­ren:

  • Kla­re Kom­mu­ni­ka­ti­on: Was wird ver­rech­net und war­um?
  • Poli­ti­sches Fin­ger­spit­zen­ge­fühl: Ein­füh­rung ggf. stu­fen­wei­se
  • Tech­nisch belast­ba­re Daten­ba­sis und Zuord­nungs­lo­gik
  • Betriebs­wirt­schaft­lich abge­stimm­tes Pri­cing-Modell

Ein Char­ge­back-Modell ohne beglei­ten­de Kom­mu­ni­ka­ti­on kann schnell Wider­stän­de erzeu­gen – gera­de, wenn Fach­be­rei­che erst­mals spür­ba­re IT-Kos­ten tra­gen müs­sen. Trans­pa­renz, Fair­ness und Dia­log sind hier der Schlüs­sel.

Die Reise zur Steuerung: Vom Service über Showback zu Chargeback

Die Trans­for­ma­ti­on von der kos­ten­blin­den IT zum steu­er­ba­ren Ser­vice­pro­vi­der ist ein mehr­stu­fi­ger Pro­zess. Die fol­gen­de Über­sicht zeigt typi­sche Pha­sen:

Pha­se

Fokus

Vor­aus­set­zun­gen

Ziel­wir­kung

Ser­vice­ka­ta­log

Struk­tu­rie­rung der Leis­tun­gen

Tech­nisch-betriebs­wirt­schaft­li­che Trans­pa­renz

Trans­pa­ren­te Leis­tungs­er­brin­gung

Ser­vice­prei­se

Preis­bil­dung je Ser­vice

Kos­ten­rech­nung, Men­gen­mes­sung

Grund­la­ge für Show-/Char­ge­back

Show­back

Infor­ma­ti­on über Kos­ten

Report­ing-Tools, Emp­fän­ger­krei­se

Sen­si­bi­li­sie­rung, Dia­log

Char­ge­back

Ver­rech­nung der Kos­ten

ERP-Inte­gra­ti­on, Gover­nan­ce

Steue­rung, Bud­get­ver­ant­wor­tung

Best Prac­ti­ce:
Vie­le Orga­ni­sa­tio­nen füh­ren Show­back zunächst pilot­ar­tig in einem Fach­be­reich ein und eva­lu­ie­ren die Reak­ti­on. So kön­nen Pro­zes­se, Tools und KPIs ohne gro­ßes Risi­ko erprobt wer­den.

 

Zur Steuerung des IT Bereichs sind Services unverzichtbar

Handlungsspielraum durch Servicepreise und Verrechnung

Die Ein­füh­rung struk­tu­rier­ter Prei­se und Ver­rech­nungs­me­cha­nis­men schafft ech­ten Hand­lungs­spiel­raum auf meh­re­ren Ebe­nen:

A) Für die IT:

  • Argu­men­ta­ti­ons­stär­ke gegen­über Geschäfts­lei­tung
  • Bes­se­re Plan­bar­keit und Steu­er­bar­keit des IT-Bud­gets
  • Ziel­ge­rich­te­te Wei­ter­ent­wick­lung der IT-Leis­tun­gen

B) Für den Fach­be­reich:

  • Eige­ne Ent­schei­dun­gen auf Basis belast­ba­rer Daten
  • Wirt­schaft­li­che Steue­rung von IT-Nut­zung
  • Dis­kus­si­on auf Augen­hö­he mit der IT

C) Für das Unter­neh­men:

  • För­de­rung der Gesamtef­fi­zi­enz
  • Ein­heit­li­cher Umgang mit On-Prem- und Cloud-Kos­ten
  • Vor­be­rei­tung auf Mul­ti-Cloud- und Fin­Ops-Model­le

Tools und Technologien zur Umsetzung

Für die Umset­zung von Ser­vice­prei­sen und Ver­rech­nungs­sys­te­men bie­ten sich ver­schie­de­ne Tools an:

Tool­typ

Bei­spie­le

Zweck

ITFM-/TBM-Platt­for­men

App­tio, Ser­viceNow Finan­cial Mgmt, Ser­vice­wa­re Finan­cial, USU ITFM, Mekys­ka

Kal­ku­la­ti­on, Allo­ka­ti­on, Report­ing

ERP-Modu­le

SAP CO, Ora­cle Pro­jects

Ver­rech­nung, Buchung

BI-/Da­sh­board-Tools

Power BI, Tableau, Loo­ker

Visua­li­sie­rung, Show­back-Reports

CMDB-/Mo­ni­to­ring-Tools

Ser­viceNow, BMC, Pro­me­theus

Men­gen­ba­sis, Zuord­nung

Je nach Aus­gangs­la­ge reicht auch ein gut gepfleg­tes Excel- oder Power BI-Modell für den Ein­stieg.

Herausforderungen und Lösungsansätze

Typi­sche Stol­per­stei­ne:

  • Feh­len­de oder unge­naue Men­gen­da­ten
  • Gerin­ge Akzep­tanz bei den Fach­be­rei­chen
  • Poli­ti­scher Wider­stand bei Ein­füh­rung von Char­ge­back
  • Zu kom­ple­xe Preis­struk­tu­ren

Empfohlene Lösungsstrategien:

  • Mit ein­fa­chen Ser­vices begin­nen (z. B. Sto­rage, VM, Ticke­ting)
  • Kla­re Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie ent­wi­ckeln
  • Pilot­be­rei­che defi­nie­ren und Les­sons Lear­ned doku­men­tie­ren
  • Pri­cing-Modell jähr­lich über­prü­fen und jus­tie­ren

Ausblick: Der Weg zu FinOps und Value-Based IT

Wer sich mit Ser­vice­prei­sen, Show­back und Char­ge­back beschäf­tigt, legt auch die Basis für moder­ne IT-Steue­rungs­an­sät­ze wie Fin­Ops, TBM (Tech­no­lo­gy Busi­ness Manage­ment) oder Value-Based IT. Dabei rückt nicht nur der Preis, son­dern auch der Wert­bei­trag der IT in den Fokus.

Die Tren­nung zwi­schen IT-Kos­ten und Busi­ness-Nut­zen wird durch­läs­sig – Ent­schei­dun­gen über IT-Archi­tek­tur, Leis­tungs­er­brin­gung oder Tech­no­lo­gie­ein­satz kön­nen unter öko­no­mi­schen Gesichts­punk­ten getrof­fen wer­den.

Fazit

Der Weg von der Ser­vice­er­brin­gung hin zur akti­ven IT-Steue­rung beginnt mit der Ein­füh­rung trans­pa­ren­ter Prei­se und endet in einem Steue­rungs­mo­dell, das IT und Fach­be­rei­che ver­bin­det. Show­back und Char­ge­back schaf­fen den Spa­gat zwi­schen Trans­pa­renz, Steue­rung und unter­neh­me­ri­scher Ver­ant­wor­tung – ohne die Zusam­men­ar­beit aus dem Blick zu ver­lie­ren.

Wer die­sen Weg beschrei­tet, gewinnt nicht nur neue Steue­rungs­mög­lich­kei­ten, son­dern auch stra­te­gi­schen Ein­fluss. Der IT-Bereich wird so vom rei­nen Anbie­ter zum Busi­ness Enabler.

Ganz gleich, ob Sie als IT-Con­trol­ler die Zah­len im Griff behal­ten oder als CIO stra­te­gi­sche Impul­se set­zen möch­ten – eine trans­pa­ren­te und struk­tu­rier­te Sicht auf Ihre IT-Kos­ten ist der Schlüs­sel zu fun­dier­ten Ent­schei­dun­gen.

Mit mei­ner Dienst­leis­tung im Bereich IT Finan­cial Manage­ment unter­stüt­ze ich Sie dabei, Ihre IT-Kos­ten detail­liert zu ana­ly­sie­ren, rele­van­te Kos­ten­trei­ber zu iden­ti­fi­zie­ren und Opti­mie­rungs­po­ten­zia­le sicht­bar zu machen. Im Rah­men einer stan­dar­di­sier­ten IT-Kos­ten­ana­ly­se – basie­rend auf dem TBM-Modell – erhal­ten Sie eine kla­re Aus­wer­tung Ihrer Kos­ten nach Cost Pools und IT-Towern, ergänzt um gra­fi­sche Dar­stel­lun­gen und kon­kre­te Hand­lungs­emp­feh­lun­gen.

Sie möch­ten wis­sen, wo Ihre IT heu­te steht und wo noch Poten­zi­al schlum­mert? Dann las­sen Sie uns ins Gespräch kom­men – für mehr Trans­pa­renz, Steu­er­bar­keit und Wir­kung Ihrer IT.