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Cloud-Kosten realistisch prognostizieren

So geht’s mit Szenarien statt Wunschdenken

Von Wunschvorstellungen zu belastbaren Prognosen

Cloud-Kos­ten sind ein zwei­schnei­di­ges Schwert: Auf der einen Sei­te bie­ten sie Fle­xi­bi­li­tät und Ska­lier­bar­keit. Auf der ande­ren Sei­te ent­wi­ckeln sie sich bei unge­nü­gen­der Steue­rung schnell zu einem unkon­trol­lier­ten Kos­ten­block. Häu­fig wer­den Cloud-Bud­gets zu opti­mis­tisch geplant – auf Basis von Wunsch­den­ken statt soli­den Sze­na­ri­en.

In die­sem Bei­trag zei­gen wir, wie du Cloud-Kos­ten rea­lis­tisch pro­gnos­ti­zie­ren kannst – mit Hil­fe von Sze­na­ri­en, belast­ba­ren Annah­men und einem struk­tu­rier­ten Vor­ge­hen. Denn nur wer weiß, was auf ihn zukommt, kann gezielt steu­ern.

Warum herkömmliche Planungsansätze in der Cloud scheitern

In klas­si­schen On-Pre­mi­se-Infra­struk­tu­ren basie­ren Pla­nun­gen auf Inves­ti­ti­ons­zy­klen, vor­her­seh­ba­ren Abschrei­bun­gen und ver­gleichs­wei­se sta­bi­len Betriebs­mo­del­len. Die Cloud hin­ge­gen ist varia­bel, dyna­misch und nut­zungs­ba­siert. Genau das führt dazu, dass her­kömm­li­che Bud­ge­tie­rungs­mo­del­le schei­tern:

  • Unter­schätz­te Ska­lie­rungs­ef­fek­te (z. B. plötz­li­cher Traf­fic-Anstieg)
  • Unkla­re Zuwei­sung von Shared Cos­ts (z. B. Netz­werk, S3, Secu­ri­ty)
  • Feh­len­de Trans­pa­renz über Cost Dri­ver (z. B. unge­nutz­te RIs, über­di­men­sio­nier­te Instan­zen)
  • Unrea­lis­ti­sche Pro­jekt­pla­nun­gen (“Wir gehen Q1 live”, dabei wird Q3 rea­lis­tisch)

Die Lösung: Cloud-Prognosen mit Szenarien

Sze­na­ri­en hel­fen, Unsi­cher­hei­ten zu quan­ti­fi­zie­ren, anstatt sie aus­zu­blen­den. Statt einen Plan zu machen („so wird es schon kom­men“), erstellst du meh­re­re Ent­wick­lun­gen mit unter­schied­li­chen Annah­men.

Bei­spie­le für Sze­na­ri­en:

  • Basis­sze­na­rio: Fort­füh­rung der bis­he­ri­gen Nut­zung ohne neue Pro­jek­te
  • Growth-Sze­na­rio: Neue Ser­vices, mehr Kun­den, erhöh­tes Daten­vo­lu­men
  • Effi­zi­enz-Sze­na­rio: Opti­mie­run­gen durch Right­si­zing, RIs, Auto­ma­ti­sie­rung

So bekommst du einen Kos­ten­kor­ri­dor, in dem du dich vor­aus­sicht­lich bewe­gen wirst – und nicht nur eine trü­ge­ri­sche „Punkt­pro­gno­se“.

Bausteine realistischer Szenarien

a) Nutzung analysieren – was treibt deine Kosten?

Ohne ein kla­res Ver­ständ­nis der aktu­el­len Nut­zung wird jede Pro­gno­se zur Lot­te­rie. Du soll­test:

  • Ver­brauchs­ver­läu­fe (z. B. EC2, S3, EBS) ana­ly­sie­ren
  • Unter­schie­de nach Cost Cen­ter, Pro­jekt, Regi­on, Ser­vice clus­tern
  • Anoma­lien oder nicht-genutz­te Res­sour­cen erken­nen

👉 Tools wie AWS Cost Explo­rer, Azu­re Cost Manage­ment oder Fin­Ops Dash­boards hel­fen dabei.

b) Annahmen dokumentieren

Jede Annah­me ist eine Hypo­the­se – und muss klar nach­voll­zieh­bar sein:

  • Wie vie­le neue Nut­zer / Pro­jek­te?
  • Wel­che Ser­vices wer­den ver­stärkt genutzt?
  • Wie hoch ist die erwar­te­te Spei­cher­nut­zung?
  • Wel­che Opti­mie­rungs­maß­nah­men sind geplant?

For­mu­lie­re die­se Annah­men trans­pa­rent, damit sie nach­voll­zieh­bar und anpass­bar blei­ben.

c) Metrik-basierte Modellierung

Set­ze auf KPIs und trei­ber­ba­sier­te Model­le:

Trei­ber

Ein­heit

Bei­spiel

Nut­zer­an­zahl

Anzahl

5.000 Nut­zer je 0,1 USD/Monat

Trans­ak­tio­nen

Mio./Monat

3 Mio. API-Calls bei 0,004 USD je Request

Spei­cher­be­darf

TB

10 TB S3 bei 0,023 USD/GB

Com­pu­te

Stun­den

500 vCP­Uh pro Tag bei On-Demand-Rate

Die Wer­te kannst du fle­xi­bel ska­lie­ren und an Sze­na­ri­en anpas­sen.

d) FinOps-Prinzipien berücksichtigen

Ein soli­der Fore­cast ist nur sinn­voll, wenn er auch kon­trol­lier­bar ist. Daher soll­ten fol­gen­de Prin­zi­pi­en immer ein­ge­baut sein:

  • Shared Respon­si­bi­li­ty (IT, Finan­zen, Pro­dukt­teams)
  • Kos­ten­be­wusst­sein im Life­cy­cle (von Dev bis Prod)
  • Kon­ti­nu­ier­li­che Ver­bes­se­rung durch Nach­jus­tie­rung

Wei­te­re Prin­zi­pi­en fin­dest du auf finops.org.

Cloud-Kosten in unterschiedlichen Szenarien

Beispiel: Drei Szenarien für ein SaaS-Unternehmen

Kate­go­rie

Basis­sze­na­rio

Wachs­tums­sze­na­rio

Opti­mie­rungs­sze­na­rio

Nut­zer

10.000

20.000

10.000

Com­pu­te

150.000 vCP­Uh

300.000 vCP­Uh

130.000 vCP­Uh (Right­si­zed)

Sto­rage

50 TB

120 TB

40 TB

Kosten/Monat

28.000 EUR

58.000 EUR

21.000 EUR

Auf Basis die­ser Sze­na­ri­en kann das Unter­neh­men Kapa­zi­täts- und Bud­get­ent­schei­dun­gen tref­fen – etwa, ob RIs für 60% der Last sinn­voll sind.

Fallstricke vermeiden: Häufige Fehler in der Praxis

  1. Ver­gleich mit alten On-Prem-Kos­ten statt Cloud-spe­zi­fi­scher Metri­ken
  2. Kei­ne Ite­ra­ti­on der Sze­na­ri­en bei Ände­run­gen (z. B. Pro­jekt­ver­zö­ge­rung)
  3. Unzu­rei­chen­de Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Fach­be­rei­chen
  4. Ver­ges­sen der Over­head-Kos­ten wie Daten­über­tra­gung, Sup­port, Obser­va­bi­li­ty
  5. Ein­ma­li­ge Pro­gno­se statt Rol­ling Fore­cast

Tipp: Set­ze auf monat­li­che Updates und nut­ze agi­le Fore­cast-Tech­ni­ken.

Tools und Ressourcen für bessere Prognosen

Hier eini­ge nütz­li­che Tools und Quel­len, um dei­ne Cloud-Kos­ten­pro­gno­sen zu ver­bes­sern:

  • Kube­cost – für Kuber­netes-Kos­ten­pro­gno­sen
  • CloudForecast.io – spe­zi­ell für AWS mit Fokus auf Fin­Ops
  • OpenCost.io – Open-Source Cost Moni­to­ring für Kuber­netes
  • Fin­Ops Frame­work – für struk­tu­rier­te Pro­gno­se- und Steue­rungs­pro­zes­se
  • Cloud Car­bon Foot­print – Kos­ten + Nach­hal­tig­keit ver­bin­den

Fazit: Szenarien statt Bauchgefühl

Cloud-Kos­ten­pro­gno­sen sind kei­ne exak­te Wis­sen­schaft – aber auch kein Rät­sel­ra­ten. Mit kla­ren Sze­na­ri­en, nach­voll­zieh­ba­ren Annah­men und Metrik-basier­ten Model­len schaffst du Trans­pa­renz und Steu­er­bar­keit.

Gera­de in Zei­ten vola­ti­ler Nach­fra­ge, stei­gen­der Ener­gie­prei­se und zuneh­men­der Cloud-Abhän­gig­keit ist ein rea­lis­ti­sches Fore­cas­ting Gold wert – und ein zen­tra­ler Bau­stein jeder Cloud-Stra­te­gie.

Autor: Vol­ker Lingk 
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