Warum IT-Showback nicht nur lästig ist

Transparenz als Grundlage für Steuerung

In der IT wird oft über Effi­zi­enz, Auto­ma­ti­sie­rung und Inno­va­ti­on gespro­chen. Doch ein ent­schei­den­der Aspekt bleibt häu­fig im Schat­ten: die Trans­pa­renz der Kos­ten. Gera­de in Zei­ten wach­sen­der Cloud-Nut­zung und hybri­der Infra­struk­tu­ren ist es essen­zi­ell, den Über­blick über die ver­ur­sach­ten IT-Kos­ten zu behal­ten – nicht nur auf Gesamt­bud­get­ebe­ne, son­dern pro Geschäfts­be­reich, Anwen­dung oder Pro­jekt. Die Ein­füh­rung von Show­back- oder Char­ge­back-Model­len kann dabei hel­fen, Kos­ten nicht nur sicht­bar, son­dern auch steu­er­bar zu machen.

In die­sem Bei­trag zei­ge ich, war­um Show­back nicht nur ein läs­ti­ges Report­ing-Instru­ment ist, son­dern ein wesent­li­cher Hebel für eine moder­ne IT-Finanz­steue­rung. Dabei neh­me ich auch Bezug auf mei­ne vor­he­ri­gen Arti­kel wie „Char­ge­back und Show­back im IT Finan­cial Manage­ment“ und „Kul­tur und Zusam­men­ar­beit im Cloud Finan­cial Manage­ment“, um das The­ma stra­te­gisch und ope­ra­tiv ein­zu­ord­nen.

Was ist Showback – und warum ist es so unbeliebt?

Unter Show­back ver­steht man die ver­ur­sa­chungs­ge­rech­te Dar­stel­lung von IT-Kos­ten gegen­über den nut­zen­den Orga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten, ohne dass eine tat­säch­li­che Ver­rech­nung (Buchung) erfolgt. Die Nut­zer – Fach­be­rei­che, Pro­jekt­teams oder Toch­ter­ge­sell­schaf­ten – bekom­men regel­mä­ßig eine Über­sicht, wie vie­le Res­sour­cen sie genutzt haben und wel­che Kos­ten dies ver­ur­sacht hat.

Die­se Pra­xis ist vor allem in Unter­neh­men ver­brei­tet, die den kul­tu­rel­len Wan­del in Rich­tung Kos­ten­ver­ant­wor­tung erst vor­be­rei­ten wol­len. Doch der Show­back-Bericht wird oft als „Abrech­nung ohne Kon­se­quen­zen“ wahr­ge­nom­men – oder schlim­mer: als Kon­troll­in­stru­ment der IT oder des Con­trol­lings.

Doch das greift zu kurz. Show­back ist viel mehr als ein Report­ing – es ist ein stra­te­gi­sches Steue­rungs­in­stru­ment.

Die Vorteile von Showback: Ein Blick hinter die Kulissen

Verhaltensänderung durch Transparenz

Wenn Fach­be­rei­che erst­mals sehen, wel­che Kos­ten ihre Ent­schei­dun­gen ver­ur­sa­chen, beginnt ein wich­ti­ger Lern­pro­zess. Wer ver­steht, dass eine 24/7‑VM im Test­um­feld erheb­li­che Kos­ten ver­ur­sacht, wird künf­tig anders pla­nen – auch ohne direk­te Ver­rech­nung.

Grundlage für Kostensenkung und Optimierung

Show­back-Reports ermög­li­chen es, Hot­spots zu iden­ti­fi­zie­ren – etwa beson­ders teu­re Anwen­dun­gen oder unnö­tig groß dimen­sio­nier­te Cloud-Res­sour­cen. Die­se Erkennt­nis­se sind der ers­te Schritt zur Opti­mie­rung.

Vorbereitung auf echte Leistungsverrechnung (Chargeback)

Show­back ist die Ein­stiegs­dro­ge für eine spä­te­re Ver­rech­nung. Wer den orga­ni­sa­to­ri­schen und tech­ni­schen Unter­bau für Show­back erfolg­reich auf­setzt, kann in einem nächs­ten Schritt auch ein Char­ge­back-Modell eta­blie­ren.

Unterstützung bei Budgetgesprächen

Wenn es dar­um geht, Bud­gets für IT-Inves­ti­tio­nen zu ver­han­deln, ist ein sau­be­rer Show­back-Report Gold wert. Er zeigt fak­ten­ba­siert, wer wel­che Leis­tun­gen genutzt hat – und mit wel­chem Nut­zen.

Von Showback zu Chargeback: Der nächste Schritt

Beim Char­ge­back geht es einen Schritt wei­ter: Die IT-Kos­ten wer­den nicht nur gezeigt, son­dern tat­säch­lich auf Kos­ten­stel­len, Pro­jek­te oder Pro­duk­te ver­rech­net. Das schafft stär­ke­re Anrei­ze zur Kos­ten­ver­mei­dung – aber auch mehr Dis­kus­si­on.

Char­ge­back bringt aller­dings auch Her­aus­for­de­run­gen mit sich: Eine trans­pa­ren­te, nach­voll­zieh­ba­re und kon­sens­fä­hi­ge Preis­lo­gik ist uner­läss­lich. Wer ohne Vor­be­rei­tung direkt in die Leis­tungs­ver­rech­nung springt, ris­kiert Akzep­tanz­pro­ble­me.

Emp­feh­lung: Begin­ne mit einem gut erklär­ten Show­back-Modell und eva­lu­ie­re nach 6–12 Mona­ten den Rei­fe­grad für eine schritt­wei­se Ein­füh­rung des Char­ge­back.

Erfolgsfaktoren für ein wirkungsvolles Showback-Modell

Einfach starten – aber richtig kommunizieren

Show­back darf nicht als „Über­wa­chungs­tool“ rüber­kom­men. Wich­tig ist eine kla­re Kom­mu­ni­ka­ti­on: „Wir machen sicht­bar, was bis­her unsicht­bar war – damit ihr bes­ser ent­schei­den könnt.“

Nutzerzentrierte Darstellung

Nie­mand will tech­ni­sche Metri­ken wie vCPU-Stun­den oder GB-Traf­fic ohne Kon­text. Ein Show­back-Report soll­te die Spra­che des Busi­ness spre­chen – Kos­ten pro Anwen­dung, pro Pro­dukt, pro Stand­ort.

Integration in bestehende Steuerungsprozesse

Ein Show­back ohne Bezug zu Bud­get­pla­nung, Fore­cast oder Demand Manage­ment bleibt wir­kungs­los. Die Berich­te soll­ten regel­mä­ßig dis­ku­tiert und in Ent­schei­dun­gen ein­be­zo­gen wer­den.

Automatisierung spart Ressourcen

Die Daten­er­he­bung für Show­back muss nicht manu­ell erfol­gen. Tools wie App­tio, Cloud­He­alth oder auch selbst ent­wi­ckel­te BI-Lösun­gen kön­nen Abfra­gen auto­ma­ti­sie­ren. Im Arti­kel „Auto­ma­ti­sier­te Kos­ten­kon­trol­le in der On-Pre­mi­ses-IT“ fin­dest du Hin­wei­se zur Auto­ma­ti­sie­rung im On-Prem-Kon­text.

Praxisbeispiel: Showback im hybriden IT-Betrieb

Ein mit­tel­stän­di­sches Unter­neh­men mit einer Mischung aus On-Prem-IT und Public Cloud führ­te Show­back für bei­de Wel­ten ein:

  • Für On-Prem-Ser­vices wur­den Betriebs- und Inves­ti­ti­ons­kos­ten den Tech­ni­cal Ser­vices (z. B. Sto­rage, Net­work, Com­pu­te) zuge­ord­net.
  • In der Cloud wur­den die Kos­ten direkt über die Anbie­ter-APIs ein­ge­le­sen und auf Appli­ka­tio­nen gemappt.

Ergeb­nis: Der Fach­be­reich Mar­ke­ting war über­rascht, dass ein ver­al­te­tes CMS jeden Monat hohe Hos­ting- und Spei­cher­ge­büh­ren ver­ur­sach­te. Nach Rück­spra­che mit der IT wur­de das CMS abge­löst – die Kos­ten san­ken um 70 %.

Showback - Transparenz als Gamechanger

Risiken und Stolperfallen bei der Einführung

  • Unvoll­stän­di­ge Daten­la­ge: Wer unvoll­stän­di­ge CMDBs oder feh­len­de Nut­zungs­me­tri­ken hat, wird schnell hin­ter­fragt.
  • Fokus auf Schuld statt Ver­ant­wor­tung: Die Kom­mu­ni­ka­ti­on ent­schei­det. Wer den Ein­druck erweckt, „die IT zeigt mit dem Fin­ger“, ver­spielt Ver­trau­en.
  • Feh­len­de Anbin­dung ans Busi­ness: Wenn Show­back-Berich­te nicht in Ent­schei­dungs­pro­zes­se ein­flie­ßen, blei­ben sie nutz­los.

Der kulturelle Aspekt: Vom Gegner zum Gestalter

Show­back funk­tio­niert nur, wenn Kul­tur und Füh­rung mit­spie­len. In mei­nem Bei­trag „Kul­tur und Zusam­men­ar­beit im Cloud Finan­cial Manage­ment“ beschrei­be ich, wie IT, Con­trol­ling und Busi­ness gemein­sam Ver­ant­wor­tung über­neh­men.

Emp­feh­lung: Bin­de Stake­hol­der früh­zei­tig ein – nicht nur bei der Kon­zep­ti­on, son­dern auch bei der Vali­die­rung der Ergeb­nis­se. Nur wer die Zah­len ver­steht und akzep­tiert, wird dar­auf basie­rend Ent­schei­dun­gen tref­fen.

Fazit: Showback als strategischer Gamechanger

Show­back ist kein tech­ni­sches Pro­jekt – es ist ein stra­te­gi­scher Hebel. Es schafft Trans­pa­renz, för­dert Kos­ten­be­wusst­sein und berei­tet den Weg für eine moder­ne, wert­ori­en­tier­te IT-Steue­rung.

Ja, es kos­tet Auf­wand. Ja, es braucht gute Kom­mu­ni­ka­ti­on. Aber: Wer es rich­tig angeht, wird nicht nur in der IT pro­fi­tie­ren – son­dern unter­neh­mens­weit smar­te­re Ent­schei­dun­gen ermög­li­chen.