Du betrachtest gerade Warum FinOps ohne Forecasts blind ist

Warum FinOps ohne Forecasts blind ist

Kostenprognosen in der Cloud

„Wer nur zurück­blickt, wird in der Zukunft stol­pern.“

Cloud-Finanz­ma­nage­ment hat sich in den letz­ten Jah­ren stark wei­ter­ent­wi­ckelt. Was als Kon­trol­le von Abrech­nun­gen begann, ist heu­te ein umfas­sen­des Steue­rungs­mo­dell für IT-Orga­ni­sa­tio­nen. Fin­Ops bringt Tech­nik, Finan­ce und Busi­ness zusam­men – mit dem Ziel, das Maxi­mum aus der Cloud zu holen, ohne das Bud­get zu spren­gen.

Und doch fehlt vie­len Unter­neh­men ein ent­schei­den­des Ele­ment im Fin­Ops-Werk­zeug­kas­ten: ver­läss­li­che Kos­ten­pro­gno­sen. Sie sind das Früh­warn­sys­tem und der Kom­pass in einem. Trotz­dem wer­den sie oft ver­nach­läs­sigt – aus Unsi­cher­heit, man­gels Daten oder weil man sich auf Tools ver­lässt, die mehr ver­spre­chen als sie hal­ten.

Die Realität vieler FinOps-Teams: Reaktiv statt vorausschauend

In vie­len Orga­ni­sa­tio­nen gleicht das Cloud-Kos­ten­ma­nage­ment einem Rück­spie­gel: Man sieht sehr genau, was war – aber nicht, was kommt. Monat­li­che Reports zei­gen, wo das Bud­get über­schrit­ten wur­de. Alerts war­nen, wenn bestimm­te Schwel­len­wer­te über­schrit­ten wer­den. Aber wenn man ehr­lich ist: Das ist Scha­dens­be­gren­zung – kei­ne Steue­rung.

Dabei gäbe es heu­te die Mög­lich­keit, mit ein­fa­chen Mit­teln rea­lis­ti­sche Fore­casts zu erstel­len – sei es für den nächs­ten Monat, das nächs­te Quar­tal oder für ein geplan­tes Pro­jekt.

Warum Forecasting im FinOps-Kontext unverzichtbar ist

Stell dir vor, dein Unter­neh­men plant eine groß ange­leg­te Mar­ke­ting­kam­pa­gne. Erwar­tet wird ein star­ker Anstieg des Webtraf­fics – und damit ein höhe­rer Ver­brauch an Cloud-Res­sour­cen. Ohne eine belast­ba­re Pro­gno­se bleibt die Bud­get­fra­ge offen. Kom­men plötz­lich drei­fa­che Kos­ten auf dich zu? Oder lässt sich durch intel­li­gen­tes Sche­du­ling und vor­he­ri­ge Ver­trags­bin­dung (z. B. durch Reser­ved Ins­tances oder Savings Plans) Geld spa­ren?

Fore­cas­ting bringt Klar­heit. Es hilft:

  • Bud­gets ein­zu­hal­ten (oder bewusst zu über­pla­nen),
  • Res­sour­cen effi­zi­ent zu ver­tei­len,
  • Stake­hol­der mit belast­ba­ren Zah­len zu ver­sor­gen,
  • und ech­te Kos­ten­sen­kungs­po­ten­zia­le zu iden­ti­fi­zie­ren – bevor sie ent­ste­hen.

Wie man gute Forecasts erstellt: Mehr als nur Excel-Formeln

Vie­le Unter­neh­men star­ten mit dem, was sie ken­nen: Excel. Und das ist nicht falsch – solan­ge die Daten­ba­sis stimmt. Doch Cloud-Kos­ten sind vola­til. Sie schwan­ken je nach Traf­fic, Nut­zer­ver­hal­ten, Auto­ma­ti­sie­rung oder schlicht­weg Feh­lern in der Archi­tek­tur. Des­halb braucht es mehr­di­men­sio­na­le Pro­gno­se­mo­del­le, die die­se Fak­to­ren berück­sich­ti­gen.

Drei Metho­den haben sich in der Pra­xis eta­bliert:

  1. Linea­re Extra­po­la­ti­on:
    Der ein­fachs­te Weg: Man nimmt die bis­he­ri­gen Monats­kos­ten, berech­net den Mit­tel­wert und pro­ji­ziert ihn in die Zukunft. Das ist schnell gemacht – aber anfäl­lig für Aus­rei­ßer. Eine plötz­li­che Kos­ten­ex­plo­si­on wird hier nicht erkannt, eben­so wenig sai­so­na­le Mus­ter.
  2. ML-gestütz­te Model­le:
    Tools wie AWS Fore­cast, Goog­le Cloud oder exter­ne Anbie­ter wie App­tio oder Den­si­fy nut­zen his­to­ri­sche Daten, um Trends, Sai­so­na­li­tä­ten und Aus­rei­ßer zu erken­nen. Die Ergeb­nis­se sind oft erstaun­lich prä­zi­se – vor­aus­ge­setzt, die zugrun­de lie­gen­den Daten sind voll­stän­dig und sau­ber getaggt.
  3. Sze­na­rio-Model­lie­rung:
    Hier wer­den bewusst ver­schie­de­ne „Was-wäre-wenn“-Szenarien ent­wor­fen: Was pas­siert bei 30 % mehr API-Traf­fic? Oder wenn ein bestimm­ter Ser­vice migriert wird? Die­se Form der Pla­nung eig­net sich beson­ders für stra­te­gi­sche Gesprä­che mit dem Busi­ness – etwa zur Vor­be­rei­tung von Jah­res­bud­gets oder neu­en Pro­jek­ten.
Forecast in FinOps - Ähnlich der Wettervorhersage - beides beruht auf Datenmodellen

Voraussetzung: Eine solide Datenbasis

Egal wel­ches Modell du nutzt – ohne Daten kein Fore­cast. Und zwar nicht irgend­wel­che Daten, son­dern:

  • voll­stän­di­ge Abrech­nungs­his­to­ri­en (mind. 3–6 Mona­te),
  • kon­sis­ten­te Tags zur Iden­ti­fi­ka­ti­on von Teams, Appli­ka­tio­nen, Pro­jek­ten,
  • und Bezug zu Busi­ness-Trei­bern: Wel­che Events, Releases, Kam­pa­gnen ste­hen an?

Wer Fore­casts ohne Kon­text erstellt, plant ins Blaue. Wer sie jedoch mit der Rea­li­tät ver­knüpft, schafft Ent­schei­dungs­grund­la­gen, die weit über die IT hin­aus­rei­chen.

Operationalisieren statt experimentieren: Forecasts als Routine

Gute Pro­gno­sen brin­gen nur dann etwas, wenn sie auch genutzt wer­den. Des­halb emp­feh­len sich fes­te Ritua­le:

  • Fore­cast-Review in Fin­Ops-Mee­tings:
    Jeder Fore­cast gehört regel­mä­ßig auf den Tisch. Was hat sich ver­än­dert? Was war rich­tig, was nicht?
  • Visua­li­sie­rung in Dash­boards:
    Pro­gno­sen soll­ten nicht in Excel-Sheets ver­schwin­den. Tools wie Power BI, Loo­ker, Tableau oder nati­ve Dash­boards (z. B. AWS Cost Explo­rer) hel­fen, Fore­casts ver­ständ­lich auf­zu­be­rei­ten – für IT und Busi­ness.
  • Aler­ting bei Abwei­chun­gen:
    Fore­cast um 20 % ver­fehlt? Dann soll­te eine War­nung an den ver­ant­wort­li­chen Fin­Ops-Owner erfol­gen. So bleibt man nicht nur infor­miert – son­dern auch hand­lungs­fä­hig.

Fehler vermeiden: Was Forecasting scheitern lässt

Vie­le Fore­cast-Pro­jek­te schei­tern – nicht am Tool, son­dern an grund­le­gen­den Miss­ver­ständ­nis­sen:

  • Kei­ne Ver­ant­wor­tung:
    Pro­gno­sen müs­sen betreut wer­den. Wer ist zustän­dig? IT? Finan­ce? Fin­Ops-Team?
  • Kei­ne Ver­bin­dung zur Rea­li­tät:
    Wenn Busi­ness-Events nicht berück­sich­tigt wer­den (z. B. ein gro­ßer Relaunch), ist der Fore­cast sinn­los.
  • Zu kom­plex, zu tech­nisch:
    Pro­gno­sen dür­fen kei­ne Black­box sein. Trans­pa­renz über die Annah­men ist essen­zi­ell – sonst feh­len Ver­trau­en und Akzep­tanz.
  • Zu hohe Erwar­tungs­hal­tung:
    Fore­casts sind kei­ne Garan­tien. Es geht nicht um 100 % Genau­ig­keit – son­dern um bes­se­re Ent­schei­dun­gen.

Was gute Forecasts bewirken

Ein Bei­spiel aus der Pra­xis:
Ein SaaS-Anbie­ter hat sei­ne Cloud-Kos­ten im Schnitt um 12 % redu­ziert, ohne Ser­vices abzu­schal­ten oder Ver­trä­ge neu zu ver­han­deln. Allein durch genaue­re Fore­casts konn­te das Team:

  • Reser­ved Ins­tances geziel­ter ein­set­zen,
  • dyna­misch ska­lie­ren­de Res­sour­cen intel­li­gen­ter pla­nen,
  • und Bud­get­ge­sprä­che mit dem CFO pro­ak­tiv füh­ren, statt reak­tiv zu recht­fer­ti­gen.

Fazit: Wer vorausschaut, spart nachhaltig

Fin­Ops ist mehr als nur Kon­trol­le – es ist Steue­rung. Und Steue­rung funk­tio­niert nur, wenn man weiß, was kommt. Kos­ten­pro­gno­sen sind kein „Nice-to-have“, son­dern ein zen­tra­les Instru­ment für Effi­zi­enz, Trans­pa­renz und Busi­ness-Fähig­keit in der Cloud.

Wer heu­te damit anfängt, spart mor­gen nicht nur Geld – son­dern gewinnt stra­te­gi­sche Frei­heit.

Schreibe einen Kommentar