Du betrachtest gerade Warum Cloudkosten nicht linear mit der Nutzung steigen

Warum Cloudkosten nicht linear mit der Nutzung steigen

Und was das für die Kostenprognose bedeutet

In vie­len Orga­ni­sa­tio­nen herrscht nach wie vor die Vor­stel­lung, dass sich Cloud­kos­ten weit­ge­hend pro­por­tio­nal zur Nut­zung ent­wi­ckeln – mehr Nut­zung bedeu­tet höhe­re Kos­ten, weni­ger Nut­zung bedeu­tet gerin­ge­re Kos­ten. Die­se Annah­me wirkt auf den ers­ten Blick logisch, führt in der Pra­xis aber oft zu erheb­li­chen Abwei­chun­gen in der Kos­ten­pro­gno­se. In Wahr­heit ver­hal­ten sich Cloud­kos­ten kei­nes­wegs line­ar – und genau das stellt Finanz- und IT-Ver­ant­wort­li­che vor neue Her­aus­for­de­run­gen.

In die­sem Arti­kel erklä­ren wir, war­um Cloud­kos­ten nicht line­ar zur Nut­zung stei­gen, wel­che Ein­fluss­fak­to­ren dafür ver­ant­wort­lich sind, und wel­che Aus­wir­kun­gen dies auf die Finanz­pla­nung, das IT-Con­trol­ling und ins­be­son­de­re die Kos­ten­pro­gno­se hat. Abschlie­ßend geben wir Emp­feh­lun­gen, wie Unter­neh­men mit die­sen Her­aus­for­de­run­gen umge­hen kön­nen.

Lineare Nutzung ≠ Lineare Kosten

Die falsche Annahme: „Pay-per-Use ist automatisch linear“

Clou­dan­bie­ter wer­ben oft mit dem Ver­spre­chen von „Pay-per-Use“. Das klingt, als wäre die Abrech­nung ein­fach: Man zahlt nur, was man nutzt. Tat­säch­lich jedoch ist die­ses Modell kom­ple­xer. Cloud­kos­ten unter­lie­gen Schwel­len­wer­ten, Preis­staf­fe­lun­gen, Pau­schal­ver­trä­gen, lang­fris­ti­gen Com­mit­ment-Model­len (z. B. Reser­ved Ins­tances, Savings Plans) und wei­te­ren ver­steck­ten Dyna­mi­ken.

Ein Bei­spiel: Die Nut­zung eines Sto­rage-Diens­tes wie Ama­zon S3 mag bei klei­nen Daten­men­gen güns­tig erschei­nen. Doch mit wach­sen­der Men­ge stei­gen nicht nur die rei­nen Spei­cher­kos­ten, son­dern auch die Kos­ten für Daten­zu­grif­fe, Repli­ka­tio­nen, Lebens­zy­klus-Manage­ment, Log­ging, und even­tu­ell Cross-Regi­on-Trans­fers. Gleich­zei­tig kön­nen durch grö­ße­re Daten­men­gen Rabat­te grei­fen oder alter­na­ti­ve Preis­mo­del­le sinn­voll wer­den.

Preisstaffelungen und Schwellenwerte

Vie­le Clou­dan­bie­ter ver­wen­den Preis­staf­fe­lun­gen: Die ers­ten 10 TB kos­ten z. B. 0,023 $/GB, die nächs­ten 40 TB nur 0,021 $/GB, und dar­über hin­aus sinkt der Preis wei­ter. Dadurch ent­steht ein nicht­li­nea­rer Zusam­men­hang: Die Kos­ten pro zusätz­li­chem GB sin­ken, aber die Gesamt­kos­ten stei­gen trotz­dem wei­ter.

Zusätz­lich gibt es Schwel­len­wer­te für bestimm­te Ser­vices. Bei­spiel: Bei einer bestimm­ten Anzahl von Requests oder Nut­zungs­stun­den kön­nen Zusatz­kos­ten für APIs, Moni­to­ring oder Secu­ri­ty-Funk­tio­nen aus­ge­löst wer­den, die vor­her kos­ten­los oder pau­schal waren.

Einflussfaktoren auf nichtlineare Cloudkosten

Commitment-Modelle vs. On-Demand-Nutzung

Orga­ni­sa­tio­nen, die auf lang­fris­ti­ge Preis­nach­läs­se set­zen – etwa durch Savings Plans oder Reser­ved Ins­tances – kön­nen Kos­ten opti­mie­ren. Doch die­se Model­le rech­nen sich nur bei aus­rei­chen­der Nut­zung. Sinkt die Aus­las­tung, blei­ben die­se fixen Ver­pflich­tun­gen bestehen. Das heißt: Redu­zier­te Nut­zung führt nicht auto­ma­tisch zu redu­zier­ten Kos­ten, son­dern unter Umstän­den zu einer Ver­schlech­te­rung der Kos­ten­ef­fi­zi­enz.

Versteckte Fixkosten und Mindestabnahmen

Man­che Ser­vices ver­ur­sa­chen Grund­ge­büh­ren, auch wenn sie kaum genutzt wer­den – z. B. Daten­ban­ken mit Always-On-Bereit­stel­lung oder dedi­zier­te Netz­werk­ver­bin­dun­gen (z. B. AWS Direct Con­nect, Azu­re Express­Rou­te). Die­se Fix­kos­ten tra­gen zu einer Ent­kopp­lung von Nut­zung und Preis bei.

Bei­spiel: Ein Clus­ter mit Always-On-VMs kos­tet auch dann Geld, wenn die Workloads tem­po­rär zurück­ge­fah­ren wer­den. Die Kos­ten­kur­ve flacht in sol­chen Fäl­len nicht pro­por­tio­nal zur Nut­zung ab.

Datenübertragungskosten

Die Kos­ten für Daten­ver­kehr (Ingress und Egress) zwi­schen Ser­vices, Regio­nen oder gar in Rich­tung On-Pre­mi­se-Sys­te­me sind oft ein ver­steck­ter, aber bedeu­ten­der Kos­ten­trei­ber. Beson­ders tückisch: Die­se Kos­ten ska­lie­ren nicht nur mit der Daten­men­ge, son­dern auch mit Archi­tek­tur­ent­schei­dun­gen (z. B. Anzahl Trans­fers, Repli­ka­ti­on, Nut­zung meh­re­rer Regio­nen). Daher kann eine schein­bar sta­bi­le Nut­zung den­noch stei­gen­de Kos­ten ver­ur­sa­chen.

Nichtlineare Lizenzkosten

Wenn kom­mer­zi­el­le Soft­ware über Markt­plät­ze in der Cloud genutzt wird, tre­ten Lizenz­mo­del­le in Kraft, die unab­hän­gig von der rei­nen Infra­struk­tur-Nut­zung sind. Man­che Anbie­ter rech­nen pro Nut­zer, pro Instanz oder pro Zeit­ein­heit ab – mit Stu­fen­mo­del­len, Schwel­len oder Min­dest­ge­büh­ren.

 

Cloudkosten sind nicht linear

Auswirkungen auf die Kostenprognose

Fehlende Prognosegenauigkeit

Unter­neh­men, die linea­re Model­le in ihrer Pla­nung ver­wen­den, wer­den regel­mä­ßig von Ist-Kos­ten über­rascht. Dies betrifft ins­be­son­de­re fol­gen­de Sze­na­ri­en:

  • Plötz­li­che Ska­lie­rung ein­zel­ner Kom­po­nen­ten (z. B. durch ein neu­es Fea­ture, erhöh­ten Traf­fic)
  • Unzu­rei­chen­de Berück­sich­ti­gung von Zusatz­diens­ten (z. B. Moni­to­ring, Log­ging, Data Trans­fer)
  • Unklar­heit über Kos­ten­ver­läu­fe bei Hybrid- oder Mul­ti-Cloud-Sze­na­ri­en

Trugschluss der Kostensenkung durch Reduzierung

Wenn Teams Workloads redu­zie­ren oder auto­ma­ti­siert her­un­ter­fah­ren, erwar­ten sie gerin­ge­re Kos­ten. Doch durch vor­ab gebuch­te Kapa­zi­tä­ten, Fix­kos­ten oder nicht­li­nea­re Lizenz­mo­del­le bleibt die Erspar­nis aus. Die­se Dis­kre­panz muss in der Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen IT und Finan­ce berück­sich­tigt wer­den.

Fehlende Kostenkontrolle bei Wachstum

Umge­kehrt kann ein linea­rer Wachs­tums­plan (z. B. 10 % mehr Nut­zer) zu dis­pro­por­tio­nal höhe­ren Cloud­kos­ten füh­ren. Grund: Höhe­re Zugriffs­ra­ten, kom­ple­xe­re Ver­bin­dun­gen, ver­stärk­ter Spei­cher­be­darf oder neue Daten­flüs­se kön­nen Schwel­len über­schrei­ten und neue Kos­ten­blö­cke aus­lö­sen.

Strategien für eine bessere Kostenprognose

Simulation und Szenarienplanung

Statt pau­scha­ler Line­ar­pro­gno­sen soll­ten varia­ble Model­le mit Schwel­len, Preis­staf­fe­lun­gen und Wahr­schein­lich­kei­ten ein­ge­setzt wer­den. Tools wie AWS Cost Explo­rerAzu­re Cost Manage­ment oder GCP Bil­ling Reports erlau­ben eine detail­lier­te Sze­na­rio-Ana­ly­se mit his­to­ri­schen Daten, Schwel­len und Preis­ver­läu­fen.

Einbindung von FinOps-Prinzipien

Die Fin­Ops-Metho­de bringt Finan­ce, IT und Engi­nee­ring an einen Tisch und för­dert eine gemein­sa­me Spra­che und Trans­pa­renz über Kos­ten. In die­sem Kon­text wer­den fol­gen­de Maß­nah­men emp­foh­len:

  • Fore­casts basie­rend auf Nut­zungs­grup­pen und Ser­vices
  • Eng­ma­schi­ges Moni­to­ring von Trends
  • Früh­zei­ti­ge Iden­ti­fi­ka­ti­on von Schwel­len­über­schrei­tun­gen
  • Rück­kopp­lung in die Archi­tek­tur­ent­schei­dun­gen (z. B. Sto­rage Tier­ing, API-Auf­ru­fe redu­zie­ren)

Servicebasiertes Kostenmodell etablieren

Die Ein­füh­rung eines ser­vice­ba­sier­ten IT-Finan­cial-Manage­ments hilft dabei, nicht­li­nea­re Effek­te sicht­bar zu machen. Dabei wer­den nicht nur ein­zel­ne Res­sour­cen betrach­tet, son­dern die Gesamt­kos­ten eines Cloud-Ser­vices inklu­si­ve Neben­leis­tun­gen, Abhän­gig­kei­ten und Daten­ver­kehr. Die­se Trans­pa­renz erlaubt eine rea­lis­ti­sche Zuord­nung und Pro­gno­se.

Empfehlungen für die Praxis

Maß­nah­me

Nut­zen

Ein­füh­rung von KPIs wie „Kos­ten je Request“, „Kos­ten je Kun­de“, „Kos­ten je GB Trans­fer“

Erlaubt früh­zei­ti­ge Erken­nung nicht­li­nea­rer Ent­wick­lun­gen

Nut­zung von Bud­get Alerts und Anoma­ly Detec­tion in Cost Tools

Iden­ti­fi­ka­ti­on unge­wöhn­li­cher Kos­ten­an­stie­ge

Ein­füh­rung einer Kos­ten­ar­chi­tek­tur-Richt­li­nie

Bewer­tung von Archi­tek­tur­ent­schei­dun­gen nicht nur nach Per­for­mance, son­dern auch nach Kos­ten­ent­wick­lung

Imple­men­tie­rung von Usa­ge Thrott­ling und Rate Limits

Ver­mei­dung unkon­trol­lier­ter Ska­lie­rungs­kos­ten

Durch­füh­rung regel­mä­ßi­ger Cloud Spend Reviews mit Fin­Ops-Team

Ver­bes­se­rung der Pro­gno­se­gü­te durch kon­ti­nu­ier­li­ches Ler­nen

Fazit

Die Annah­me, dass Cloud­kos­ten line­ar mit der Nut­zung stei­gen, ist eine gefähr­li­che Ver­ein­fa­chung. In Wirk­lich­keit wir­ken zahl­rei­che Fak­to­ren auf die Preis­struk­tur ein – von Com­mit­ments und Schwel­len­wer­ten über Daten­über­tra­gungs­kos­ten bis hin zu kom­ple­xen Lizenz­mo­del­len. Für eine rea­lis­ti­sche Kos­ten­pro­gno­se braucht es daher mehr als ein­fa­che Mul­ti­pli­ka­tio­nen: Es braucht Trans­pa­renz, Ver­ständ­nis für die Preis­lo­gik der Hypers­ca­ler, sowie eine enge Zusam­men­ar­beit von IT, Finan­ce und Busi­ness.

Unter­neh­men, die die­se Dyna­mik erken­nen und ihre Pro­gno­se­mo­del­le anpas­sen, kön­nen nicht nur Über­ra­schun­gen ver­mei­den, son­dern auch ihre Archi­tek­tur und Orga­ni­sa­ti­on gezielt auf Kos­ten­ef­fi­zi­enz aus­rich­ten.

Cloud­kos­ten ver­hal­ten sich sel­ten line­ar – und genau das macht die Pla­nung so her­aus­for­dernd. Wer die Zusam­men­hän­ge zwi­schen Archi­tek­tur, Nut­zung und Abrech­nungs­mo­del­len nicht durch­dringt, läuft Gefahr, Bud­gets zu über­schrei­ten und fal­sche Annah­men zu tref­fen. Für IT-Con­trol­ler und CIOs bedeu­tet das: Nur wer die Kos­ten­trei­ber kennt, kann vali­de Pro­gno­sen erstel­len und gezielt steu­ern.

Mit mei­ner ITFM-Dienst­leis­tung unter­stüt­ze ich Sie dabei, genau die­se Trans­pa­renz zu schaf­fen – auch in kom­ple­xen Cloud­um­ge­bun­gen. Im Rah­men einer struk­tu­rier­ten Kos­ten­ana­ly­se iden­ti­fi­zie­ren wir gemein­sam die ent­schei­den­den Ein­fluss­fak­to­ren und lei­ten dar­aus fun­dier­te Maß­nah­men für Pla­nung, Con­trol­ling und Opti­mie­rung ab.

Möch­ten Sie Ihre Cloud­kos­ten end­lich greif­bar machen – und zukünf­ti­ge Ent­wick­lun­gen rea­lis­tisch abbil­den? Dann spre­chen Sie mich an. Ich zei­ge Ihnen, wie Cloud Finan­cial Manage­ment in der Pra­xis funk­tio­nie­ren kann – daten­ba­siert, ver­ständ­lich und umsetz­bar.

Schreibe einen Kommentar