In die­ser ers­ten Pha­se der Trans­for­ma­ti­on geht es um ein Ziel: Trans­pa­renz schaf­fen, auch wenn die Daten­la­ge unvoll­stän­dig ist. Der Erfolg die­ses Schritts ent­schei­det maß­geb­lich über die Anschluss­fä­hig­keit der nächs­ten Umset­zungs­pha­sen wie Ser­vice-Kal­ku­la­ti­on, Showback/Chargeback oder SLA-basier­tes Report­ing.

Die Ausgangssituation verstehen — Kosten verstehen

In vie­len Unter­neh­men, die noch stark auf eige­ne Infra­struk­tur set­zen, ist das Finanz­bild der IT stark ver­ein­facht: Kos­ten wer­den pro Abtei­lung oder Kos­ten­stel­le gebucht, oft ohne Zusam­men­hang zu kon­kre­ten IT-Ser­vices oder tech­ni­schen Ein­hei­ten. In der Pra­xis bedeu­tet das:

  • Hard­ware­kos­ten sind einer Infra­struk­tur­kos­ten­stel­le zuge­wie­sen.
  • Lizenz­kos­ten lie­gen unter einer all­ge­mei­nen IT-Kos­ten­stel­le.
  • Betriebs­kos­ten (Strom, Küh­lung, Per­so­nal) sind pau­schal erfasst.
  • Es feh­len kon­sis­ten­te Nut­zungs­da­ten je Ser­vice oder Abtei­lung.

Die­se Sicht­wei­se reicht nicht mehr aus, wenn IT-Leis­tun­gen intern als Ser­vices ange­bo­ten oder mit exter­nen Cloud-Ange­bo­ten ver­gli­chen wer­den sol­len.

Die richtigen Fragen stellen

Am Anfang steht nicht die per­fek­te Daten­ba­sis, son­dern die geziel­te Ana­ly­se der vor­han­de­nen Struk­tu­ren. Stel­len Sie sich (und dem IT-Team) fol­gen­de Fra­gen:

  • Wel­che IT-Kos­ten sind über­haupt doku­men­tiert? (z. B. aus ERP, Ein­kauf, Ver­trä­gen)
  • Gibt es tech­ni­sche Assets, die mit Ser­vices oder Appli­ka­tio­nen ver­knüpft sind?
  • Wel­che Tools oder Daten­ban­ken füh­ren Infor­ma­tio­nen über Hard­ware, Lizen­zen oder Nut­zer?
  • Gibt es zen­tra­le Ansprech­part­ner für Infra­struk­tur, Appli­ka­tio­nen und Fach­be­rei­che?
  • Wie wer­den IT-Leis­tun­gen aktu­ell intern ver­rech­net oder doku­men­tiert?

Die­se Fra­gen hel­fen, die „Land­schaft der Infor­ma­ti­ons­schnip­sel“ zu kar­tie­ren und dar­aus ers­te Arbeits­hy­po­the­sen zu bil­den.

Datenquellen identifizieren und sichern

In der Pra­xis ste­hen für die Ana­ly­se meist ver­streu­te Daten­quel­len zur Ver­fü­gung. Die­se soll­ten früh­zei­tig gesich­tet und prio­ri­siert wer­den:

Quel­le

Typi­sche Inhal­te

Hin­wei­se

ERP-Sys­te­me (z. B. SAP)

Kos­ten, Buchungs­krei­se, Rech­nun­gen

Oft nur auf Kos­ten­stel­len­ebe­ne

CMDB (z. B. Ser­viceNow)

Tech­ni­sche Assets, Rela­tio­nen, Stand­ort­da­ten

Qua­li­tät prü­fen, Aktua­li­tät ana­ly­sie­ren

Moni­to­ring-Sys­te­me (z. B. Zab­bix, PRTG)

Aus­las­tung, Lauf­zei­ten, Netz­werk­ver­bin­dun­gen

Grund­stein für Men­gen­auf­bau

Ticket­sys­te­me (z. B. Jira, OTRS)

Ser­vices, Pro­ble­me, Anwen­der­da­ten

Indi­rek­te Ser­vice-Infor­ma­tio­nen

Manu­el­le Doku­men­ta­ti­on (Excel, Wiki)

Appli­ka­ti­ons­lis­ten, Ser­vice­be­schrei­bun­gen

Oft ver­al­tet, aber wert­voll zur Veri­fi­ka­ti­on

Ziel ist es, einen initia­len Daten­at­las zu erzeu­gen: ein ein­fa­ches Ver­zeich­nis aller rele­van­ten Quel­len, ihrer Qua­li­tät und ihrer inhalt­li­chen Stär­ken.

Kosten transparent gemacht

Stakeholder einbinden und Verantwortlichkeiten klären

Der Wan­del zur ser­vice­ori­en­tier­ten IT erfor­dert ein Umden­ken in vie­len Abtei­lun­gen. Daher ist es wich­tig, von Anfang an fol­gen­de Stake­hol­der mit ein­zu­bin­den:

  • IT-Lei­tung: trägt die Ver­ant­wor­tung für das Rechen­zen­trum und die Gover­nan­ce.
  • Controlling/Finanzen: kennt die Finanz­struk­tur und Buchungs­lo­gik.
  • Fach­be­rei­che: nut­zen die IT-Ser­vices – ihre Sicht auf Leis­tun­gen ist zen­tral.
  • Ser­vice Mana­ger: hel­fen bei der Über­set­zung tech­ni­scher Assets in Ser­vices.
  • CMDB-Ver­ant­wort­li­che: ken­nen die Daten­la­ge und Schwach­stel­len der Doku­men­ta­ti­on.

Für eine nach­hal­ti­ge Trans­for­ma­ti­on soll­ten Ver­ant­wort­lich­kei­ten für die Daten­er­he­bung, ‑pfle­ge und ‑ver­wen­dung klar defi­niert wer­den.

Erste Servicegruppen definieren – auch ohne Vollständigkeit

Auch wenn es zunächst nur gro­be Struk­tu­ren gibt: Es ist wich­tig, ers­te Ser­vice­ka­te­go­rien zu skiz­zie­ren, die spä­ter ver­fei­nert wer­den kön­nen. Bei­spiel­haf­te Grup­pen:

  • Infra­struk­tur­ser­vices: Sto­rage, Com­pu­te, Net­work, Back­up
  • Platt­form­ser­vices: Vir­tua­li­sie­rung, Daten­ban­ken, Web­ser­ver
  • Appli­ka­ti­ons­ser­vices: ERP, CRM, DMS
  • Benut­zer­ser­vices: E‑Mail, File Ser­vices, Arbeits­platz­ma­nage­ment

Die­se Kate­go­rien kön­nen als Ziel­struk­tur die­nen, in die nach und nach Kos­ten und Men­gen zuge­ord­net wer­den.

Quick Wins – was lässt sich kurzfristig sichtbar machen?

Die Moti­va­ti­on im Pro­jekt steigt, wenn ers­te Erfol­ge sicht­bar wer­den. Fol­gen­de Maß­nah­men haben sich in der Pra­xis als schnell umsetz­bar erwie­sen:

  • Dar­stel­lung der Gesamt­kos­ten pro Kos­ten­stel­le pro Quar­tal
  • Iden­ti­fi­ka­ti­on der Top-10-Kos­ten­trei­ber in der Infra­struk­tur
  • Aus­wer­tung der Anzahl Ser­ver pro Abtei­lung
  • Ermitt­lung der Lizen­zen nach Her­stel­ler, Men­ge und Kos­ten
  • Visua­li­sie­rung der vor­han­de­nen Assets aus der CMDB

Sol­che Quick Wins eig­nen sich her­vor­ra­gend für die inter­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on und den Auf­bau von Akzep­tanz.

Ergebnis dieser Phase: Der Rohbau für TBM

Am Ende die­ser ers­ten Umset­zungs­wo­che soll­te ein struk­tu­rier­tes Bild der vor­han­de­nen Infor­ma­tio­nen vor­lie­gen. Idea­ler­wei­se ent­hält die­ses:

  • Eine tabel­la­ri­sche Über­sicht aller Daten­quel­len
  • Ers­te Ser­vice­grup­pen mit gro­ben Kos­ten­zu­ord­nun­gen
  • Eine Über­sicht der rele­van­ten Stake­hol­der mit Rol­len
  • Ers­ter Ent­wurf eines Ziel­mo­dells zur Kos­ten­zu­ord­nung

Die­se Ele­men­te bil­den den Grund­stein für das TBM-Modell im wei­te­ren Ver­lauf.

Nächste Schritte

Die in die­ser Woche geschaf­fe­ne Trans­pa­renz erlaubt nun eine struk­tu­rier­te Fort­set­zung in der kom­men­den Woche: der Trans­for­ma­ti­on von Kos­ten­stel­len zu Ser­vice­ka­te­go­rien. Ziel ist es, ein ser­vice­ori­en­tier­tes Modell zu eta­blie­ren, das auf Basis der gesam­mel­ten Daten wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den kann.

Wenn Sie ger­ne mehr zu die­sem The­ma wis­sen wol­len und die Vor­tei­le die­ser Metho­de mit Ihren Zah­len­ma­te­ri­al in Erfah­rung brin­gen wol­len, emp­feh­len wir Ihnen einen Blick auf unser aktu­el­les Ange­bot — die IT-Kos­ten­ana­ly­se.