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Mehr als Zahlen – Warum KPIs im ITFM den Unterschied machen
IT Financial Management (ITFM) lebt von Transparenz. Doch wer IT-Kosten einfach nur summiert und verteilt, verpasst das eigentliche Ziel: die IT als steuerbaren Wertbeitrag sichtbar zu machen.
Genau hier kommen Kennzahlen und Dashboards ins Spiel. Sie helfen nicht nur bei der Kostenkontrolle, sondern zeigen auch, wo die IT effizient arbeitet – und wo nicht. Die Herausforderung: Viele Unternehmen definieren zwar KPIs, leben sie aber nicht.
Ein KPI ohne Kontext ist wie ein Kompass ohne Richtung.
Was sind gute KPIs im ITFM?
Gute KPIs im ITFM sind zielorientiert, vergleichbar, regelmäßig messbar und direkt beeinflussbar. Sie schaffen eine Verbindung zwischen:
- Kosten (z. B. €/VM, €/User)
- Leistung (z. B. Reaktionszeit, Verfügbarkeit)
- Wertbeitrag (z. B. Kosten je Geschäftsprozess)
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Kategorien von ITFM-Kennzahlen
Kategorie | Beispiele | Zielsetzung |
Kostenbasiert | €/VM, €/Ticket, €/Nutzer | Transparenz über IT-Aufwand schaffen |
Serviceorientiert | Kosten pro Service, SLA-Einhaltung | Business-IT-Ausrichtung stärken |
Kapazitätsbezogen | Auslastung von Servern, Speicher, Lizenzen | Optimierung von Infrastruktur und Betrieb |
Prozessbezogen | Dauer Incident-Resolution, Change-Zyklen | ITSM-Effizienz sichtbar machen |
Verrechnungsbezogen | Deckungsgrad Showback/Chargeback | Steuerungswirkung erhöhen |
Warum Dashboards so entscheidend sind
Ein KPI entfaltet erst durch Visualisierung und kontinuierliche Betrachtung seine Wirkung. Dashboards helfen, Trends zu erkennen, Abweichungen zu erklären und Handlungsbedarfe abzuleiten.
Ein gutes Dashboard bietet:
- Echtzeit- oder Near-Real-Time-Daten
- Filter- und Drilldown-Funktionen
- Zielwerte / Benchmarks
- Klare Rollen- und Sichtbarkeitskonzepte (CIO, IT-Leitung, Finanzen, Service Owner)
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Fallstrick 1: KPIs ohne Empfänger
Häufig werden KPIs „für das Controlling“ erstellt – aber ohne klare Adressaten in IT oder Fachbereich. Erfolgreiche ITFM-Teams denken um: Wer braucht welche Information, um Entscheidungen zu treffen?
Beispiel:
Ein CIO interessiert sich für Kosten vs. Leistung pro Geschäftsbereich, während ein Teamleiter konkrete €/Ticket-Werte braucht, um sein Team zu steuern.
Fallstrick 2: Tool-Fetisch ohne Datenqualität
Moderne BI-Tools wie Power BI, Looker, Qlik oder Grafana bieten beeindruckende Visualisierungen. Aber: Ohne verlässliche, strukturierte Daten nützt das alles nichts.
ITFM-relevante Datenquellen sind u. a.:
- ERP-Systeme (SAP, Oracle, MS Dynamics)
- CMDBs (z. B. ServiceNow, i‑doit)
- Ticket- & Monitoring-Systeme
- Cloud-Kostenplattformen (AWS, Azure, GCP)
- Asset Management
Best Practices: So füllen Sie Ihre KPIs mit Leben
✅ KPIs mit strategischem Ziel verknüpfen
Ein KPI macht nur dann Sinn, wenn er ein Ziel verfolgt. Beispiel: „€/VM“ ist kein Selbstzweck, sondern soll helfen, Standardisierung oder Automatisierung zu messen.
✅ Stakeholder einbinden
Lassen Sie Fachbereiche, IT-Leitung, Finanzen gemeinsam KPIs validieren. So entstehen akzeptierte Steuerungsgrößen statt Papierkennzahlen.
✅ Reduzieren Sie auf das Wesentliche
5–10 KPIs pro Dashboard reichen. Zu viele Zahlen überfrachten. Beispielhafte Auswahl für ein CIO-Dashboard:
- IT-Kosten pro Mitarbeiter
- Kosten nach IT-Tower (Netzwerk, Storage, Applikation)
- % Automatisierungsgrad ITSM-Prozesse
- SLA-Einhaltung kritischer Services
- Serviceverfügbarkeit nach Business-Kritikalität
Real World Example: Ein Dashboard für die Geschäftsführung
Ein mittelständisches Unternehmen mit 1.000 Mitarbeitern setzte ein TBM-inspiriertes Dashboard für die Geschäftsführung um. Ziel war es, IT-Kosten mit Geschäftsbezug darzustellen. Folgende KPIs wurden eingeführt:
- IT-Kosten pro Geschäftsbereich
- Kosten pro Business Service (z. B. „CRM“)
- Verhältnis CapEx/OpEx
- Cloud vs. On-Prem-Anteil
- Kosten je Kunde im Kundenportal
Die Wirkung: stärkere Akzeptanz der IT-Kosten, gezielte Budgetgespräche mit dem Vertrieb – und der erste echte Business-Case für eine Legacy-Ablösung.
Dashboards: Operativ UND strategisch
Es braucht nicht nur ein einziges Dashboard, sondern ein ganzes Ökosystem abgestimmter Sichten:
Rolle | Fokus-KPIs |
CIO | Kosten pro Geschäftsprozess, SLA-Level |
IT-Leitung | Ressourcenverteilung, Projektkosten |
Service Owner | €/Service, Verfügbarkeit, Incidents |
Finanzen | Budget vs. Ist, Forecast, Kostentreiber |
DevOps | €/Deployment, Cloud-Kosten pro Feature |
Fazit: KPIs sind keine Pflichtübung – sondern Hebel für Wertschöpfung
In einer Zeit, in der IT-Budgets kritisch beäugt werden, sind gute KPIs und Dashboards nicht nur Kontrollmittel, sondern Beweismittel für den Wert der IT. Entscheidend ist nicht die Zahl, sondern die Story dahinter – und was daraus gemacht wird.
Wer den KPI nicht versteht, kann ihn nicht steuern.
Wer ihn nicht nutzt, hat ihn umsonst gemessen.
