Warum FinOps-Reviews kein „Nice-to-have“ mehr sind
Cloud-Kosten entwickeln sich in vielen Unternehmen rasant – oft unbemerkt, bis das Monatsende oder die nächste Budgetrunde kommt. In der Welt von Cloud Financial Management ist das fatal. Denn anders als klassische IT-Kosten, sind Cloud-Kosten variabel, dynamisch und oft schwer vorhersagbar.
Hier setzt ein zentraler Bestandteil moderner FinOps-Praktiken an: der regelmäßige FinOps-Review. Unternehmen, die ihre Cloud-Ausgaben im Griff haben wollen, setzen auf ein iteratives Kostenmanagement, das sich an KPIs orientiert und zur kontinuierlichen Optimierung beiträgt.
Ein regelmäßiger FinOps-Review ist kein Reporting-Meeting – sondern ein Steuerungsinstrument.
Was ist ein FinOps-Review?
Ein FinOps-Review ist eine regelmäßig stattfindende Sitzung (wöchentlich, 14-tägig oder monatlich), bei der relevante Cloud-Kosten, ‑Trends und ‑Anomalien mit den beteiligten Stakeholdern (Finanzen, IT, DevOps, Architektur) gemeinsam analysiert und bewertet werden. Ziel ist es, auf Basis transparenter Daten gezielte Maßnahmen zur Optimierung einzuleiten.
Typische Inhalte eines Reviews:
- Kostenübersicht pro Cloud-Anbieter, Service, Team
- KPI-Entwicklung (z. B. €/VM, €/Pod, €/Deployment)
- Anomalie-Erkennung und Abweichungsanalysen
- Bewertung von Reserved Instances / Savings Plans
- Identifikation ungenutzter oder ineffizient genutzter Ressourcen
- Planung kommender Bedarfe (Forecast)
Warum lohnen sich regelmäßige Reviews?
Frühwarnsystem für Kostenexplosionen
Ein klassischer Fehler: Die Abrechnung kommt erst Wochen später, das Budget wurde da längst überschritten. Durch regelmäßige Reviews lassen sich Trends und Ausreißer frühzeitig erkennen – z. B. durch verändertes Nutzungsverhalten, fehlerhafte Deployments oder neue Services.
👉 Kostenexplosion in der Cloud
👉 AWS Cost Anomaly Detection
Kostentreiber sichtbar machen
Nicht selten schlummern Kosten in Diensten oder Umgebungen, die längst obsolet sind – etwa alte Kubernetes-Namespaces, vergessene EBS-Volumes oder nicht mehr genutzte Load Balancer. Der FinOps-Review bringt diese Kostentreiber regelmäßig auf den Tisch.
Verantwortung auf Team-Ebene fördern
Durch die Einbindung der Teams in die Reviews entsteht Transparenz und Ownership. Wer sieht, wie sein Deployment die Kosten beeinflusst, optimiert eher Ressourcen. Dies ist auch ein Kernelement des FinOps-Praxisprinzips „Showback / Chargeback“.
👉 Showback & Chargeback in IT Financial Management
👉 FinOps Foundation – What is FinOps?
Häufige Herausforderungen bei FinOps-Reviews
🛑 Zu viele Daten, zu wenig Kontext
Ein reines Zahlenblatt sagt wenig aus. Nur durch Kontext (z. B. geplante Releases, Projektstarts) wird aus Daten verwertbares Wissen.
🛑 Keine klare Rollenverteilung
Wenn FinOps nur „vom Controlling getrieben“ ist, fehlt oft die technische Relevanz. Umgekehrt fehlt ohne Finance-Input die Budgetperspektive.
🛑 Fehlende Automatisierung
Manuelle Auswertungen kosten Zeit und sind fehleranfällig. Tools wie CloudHealth, AWS Cost Explorer oder OpenCost helfen hier weiter.
👉 OpenCost – Open Source für Kubernetes-Kosten
Best Practices für erfolgreiche Reviews
✅ Klare Agenda mit festen KPIs
Definiere 3–5 Kernkennzahlen, die du regelmäßig analysierst. Beispiele:
- €/vCPU-Stunde pro Team
- Kosten je Deployment
- Forecast vs. tatsächlicher Verbrauch
- %-Anteil Reserved vs. On-Demand Nutzung
✅ Visualisierung nutzen
Nutze Dashboards (z. B. Power BI, Looker, Cloud-Anbieter-Konsolen) und einfache Zeitreihen, um Veränderungen sichtbar zu machen.
👉 Dashboard Quick Wins im IT Financial Management
✅ Handlungsorientierung statt Reporting
Ein Review ohne Folgeaktivität ist wertlos. Halte Maßnahmen fest, priorisiere sie und verfolge sie im nächsten Review.
✅ Crossfunktionale Teilnahme sicherstellen
Nur wenn FinOps, IT, DevOps und Finanzen zusammenkommen, entsteht ein vollständiges Bild. Wer nicht teilnimmt, liefert keine Perspektive.
Real-World Case: Wie ein Mittelständler 18 % einsparte
Ein Softwareunternehmen mit 200 Mitarbeitern nutzte AWS, Azure und GCP – ohne zentrale Kostenübersicht. Im monatlichen FinOps-Review wurden folgende Einsparpotenziale identifiziert:
- 27 % der EBS-Volumes waren ungenutzt
- Nur 8 % der Workloads liefen auf Reserved Instances
- Container liefen rund um die Uhr, auch bei geringer Nutzung
Durch einfache Maßnahmen wie das Abschalten ungenutzter Ressourcen, gezielte Nutzung von Savings Plans und Anpassung von Skalierungsrichtlinien, konnten die monatlichen Cloud-Kosten um 18 % reduziert werden.
Fazit: FinOps-Reviews sind das Rückgrat erfolgreicher Cloud-Kostentransparenz
Regelmäßige FinOps-Reviews bringen nicht nur Klarheit und Kontrolle, sondern sparen oft ganz unmittelbar Geld. Entscheidend ist eine kollaborative Kultur, bei der Kosten nicht als „notwendiges Übel“ betrachtet werden, sondern als Steuerungsinstrument für Wertschöpfung.
Wer FinOps-Reviews nicht nutzt, verschenkt bares Geld – und das Monat für Monat.
