Wie du operative Fixkosten in variable Einheiten überführst
In vielen Rechenzentren dominieren Fixkosten: Strom, Kühlung, Flächenmiete, Hardwareabschreibungen – alles feste Größen, die unabhängig von der tatsächlichen Nutzung entstehen. Für das IT Financial Management (ITFM) ist das ein Problem: Wie lassen sich diese starren Kosten verursachungsgerecht auf einzelne Services, Applikationen oder Kunden verrechnen? Genau darum geht es in diesem Beitrag: Wir zeigen dir, wie du diese Fixkosten in operative, nutzungsbasierte Einheiten überführst – Schritt für Schritt.
Warum ist die Umwandlung von Fixkosten sinnvoll?
Fixkosten verzerren die Kostenwahrheit, wenn sie pauschal oder nach veralteten Schlüsseln verteilt werden. Das erschwert nicht nur die Leistungsverrechnung, sondern auch eine sinnvolle Optimierung. Durch die Umwandlung in variable Einheiten können Kostenverantwortliche:
- Engpässe und Kostentreiber frühzeitig erkennen
- Bessere Prognosen erstellen
- Kostenverteilung transparent und nachvollziehbar gestalten
- IT-Services vergleichbarer machen
Ziel ist es, eine möglichst hohe Korrelation zwischen Verbrauch und Kosten herzustellen.
Vorbereitung: Welche Daten brauchst du?
Bevor du starten kannst, brauchst du eine solide Datenbasis. Idealerweise liegt diese schon vor – beispielsweise in einer CMDB (z. B. ServiceNow) oder in Inventarsystemen.
Checkliste für die Datenerhebung:
- Hardware-Inventar (Server, Storage, Netzwerkequipment)
- Standortdaten (RZ-Flächen, Racks, Stromversorgung)
- Energieverbrauch pro Rack oder Gerät (wenn möglich)
- Betriebsstunden oder Auslastung pro Service
- Verträge: Mietkosten, Wartung, Lizenzen
- Zuweisung von Geräten zu Applikationen oder Services
Je genauer die Daten, desto präziser die spätere Verrechnung.
Typische Fixkosten im Rechenzentrumsbetrieb
Ein kurzer Überblick über häufige Fixkostenarten:
Kostenart | Beispiel | Verteilungsidee |
Stromkosten | Grundlast pro Rack | Verbrauchsmessung, gerätebasiert |
Kühlung | Klimaanlagen, Kaltgang-Einhausung | proportional zur Wärmeentwicklung |
Flächenkosten | Mietkosten, Reinigung | m² oder HE (Höheneinheiten) pro Rack |
Lizenzen | Backup‑, Virtualisierungssoftware | nach VM, CPU-Kern oder Instanzgröße |
Personalaufwand | Betrieb, Überwachung | pauschal, ggf. nach Komplexität |
Wartungskosten | für Hardware, Klimaanlagen etc. | nach Gerätetyp oder Wert |
Beispiel: Vom fixen Strompreis zum variablen Verbrauch
Angenommen, dein Rechenzentrum verbraucht monatlich 10.000 kWh Strom. Bisher werden die Kosten pauschal auf alle Services verteilt. Ziel ist, den tatsächlichen Verbrauch pro Service zu ermitteln.
Vorgehen:
- Ermittlung der Verbrauchswerte je Server (z. B. durch PDU, SNMP, Herstellerdaten)
- Zuordnung der Server zu Services
- Berechnung des Verbrauchs pro Service
- Monatliche Aktualisierung über Monitoringdaten
So entstehen variable Verbrauchskosten pro Service – verursachungsgerecht und nachvollziehbar.
Methoden zur Umrechnung in Einheiten
Wenn direkte Verbrauchsmessungen nicht möglich sind, helfen Näherungsverfahren:
- Proportionale Verteilung: Nach Anzahl CPU-Kerne, RAM oder Storagebedarf
- Zeitorientierte Verteilung: Betriebsstunden als Basis
- Leistungsgewichtung: z. B. High Performance Server erhalten höheren Faktor
- Hybridmodelle: Kombination aus Flächenbedarf, Betriebszeit und Gerätetyp
Beispiel: Kühlkosten lassen sich über Wärmeentwicklung (Wattzahl), Betriebszeit und Rackposition approximieren.
Einheitliche Verrechnungseinheiten definieren
Die Überführung gelingt nur, wenn du klare Einheiten definierst. Beispiele:
- CPU-Stunde
- TB/Monat Storage
- Rack-HE/Monat
- Stromverbrauch in kWh
- Anzahl gesicherter VMs
Diese Einheiten kannst du dann mit Preisfaktoren belegen und kontinuierlich weiterentwickeln.
Reporting & Kommunikation im Betrieb
Ohne klare Kommunikation bringt selbst das beste Kostenmodell nichts. Die wichtigsten Aspekte:
- Visualisiere die Verbräuche pro Einheit (z. B. Dashboard)
- Zeige Veränderungen im Zeitverlauf (Trends!)
- Vergleiche Services (Kosten je Einheit)
- Schaffe Akzeptanz bei Fachbereichen durch Transparenz
Tools wie Power BI, Excel-Pivot oder Cost-Reporting-Module in ITSM-Systemen sind hier ideal.
Fallstricke vermeiden
- Datenlücken: Fehlende Messwerte oder Zuordnungen vermeiden
- Zu komplexe Modelle: Lieber einfach starten und später verfeinern
- Falsche Anreize: Keine „Strafkosten“, sondern Steuerungshilfe schaffen
- Statische Schätzwerte: Regelmäßige Aktualisierung einplanen
Fazit: Kleine Schritte, große Wirkung
Du musst nicht gleich das perfekte Modell bauen. Schon einfache Umrechnungen bringen mehr Fairness, Klarheit und Steuerungsmöglichkeiten in deine IT-Kosten. Und genau das ist operatives ITFM: Kosten sichtbar, veränderbar und beeinflussbar machen – auf Basis echter Nutzung.
Nimm dir einen Bereich vor, z. B. Stromkosten oder Storage, und starte mit einer Umrechnung. Der Rest ergibt sich Schritt für Schritt.
Nächste Schritte (Handlungsempfehlung)
- Identifiziere die 3 größten Fixkostenblöcke in deinem RZ
- Prüfe, welche Daten zur Umrechnung bereits vorhanden sind
- Wähle eine Verrechnungseinheit pro Kostenblock
- Erstelle einen Prototyp für einen Service deiner Wahl
- Validiere dein Modell mit einem Kollegen oder Kunden
Wenn du dranbleibst, kannst du innerhalb weniger Monate ein variables, nutzungsbasiertes Kostenmodell etablieren – ganz ohne Strategiepapier.
