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On-Prem-Kosten realistisch prognostizieren

Szenarien statt Schätzwerte

Vie­le IT-Abtei­lun­gen tun sich schwer, die tat­säch­li­chen Kos­ten für den Betrieb von On-Pre­mi­ses-Infra­struk­tu­ren zuver­läs­sig zu pro­gnos­ti­zie­ren. Oft stüt­zen sich Bud­gets auf his­to­ri­sche Wer­te oder Schät­zun­gen, die im bes­ten Fall eine gro­be Rich­tung vor­ge­ben – im schlimms­ten Fall aber völ­lig an der Rea­li­tät vor­bei­ge­hen. Die Fol­ge: Bud­get­ab­wei­chun­gen, feh­len­de Steu­er­bar­keit und ope­ra­ti­ve Blind­flü­ge. Dabei gibt es bewähr­te Metho­den, um On-Prem-Kos­ten rea­lis­tisch und dyna­misch abzu­bil­den – ins­be­son­de­re durch den Ein­satz von Sze­na­ri­en.

In die­sem Arti­kel zei­gen wir Ihnen, wie Sie mit Hil­fe von Sze­na­ri­en statt Schätz­wer­ten die Kos­ten für Ihre On-Prem-Umge­bung prä­zi­se pla­nen, Risi­ken mini­mie­ren und fun­dier­te Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen tref­fen.

Warum klassische Schätzwerte nicht mehr ausreichen

Tra­di­tio­nel­le IT-Bud­get­pla­nun­gen set­zen oft auf ver­gan­gen­heits­ba­sier­te Hoch­rech­nun­gen:

  • „Wir hat­ten letz­tes Jahr 1,2 Mio. € Kos­ten, mit 5 % Stei­ge­rung soll­ten 1,26 Mio. € rei­chen.“
  • „Neue Pro­jek­te sind geplant – pau­schal 100.000 € oben­drauf.“

Die­se Art der Pla­nung ist bequem, aber ris­kant. Denn sie ver­nach­läs­sigt:

  • Ver­än­de­run­gen in der Nut­zungs­in­ten­si­tät (z. B. mehr VMs oder Sto­rage),
  • tech­no­lo­gi­sche Umstel­lun­gen (z. B. durch Hyper­con­ver­ged oder Con­tai­ner-Infra­struk­tur),
  • neue Anfor­de­run­gen durch regu­la­to­ri­sche Vor­ga­ben oder Secu­ri­ty-Pro­jek­te,
  • und schließ­lich: die stei­gen­de Vola­ti­li­tät von Energie‑, Lizenz- und Per­so­nal­kos­ten.

Das Ergeb­nis: Zu gro­be Schätz­wer­te füh­ren zu unrea­lis­ti­schen Bud­gets, feh­len­der Detail­tie­fe und Über­ra­schun­gen im lau­fen­den Jahr.

Szenarien als neue Grundlage für belastbare Prognosen

Statt pau­scha­ler Hoch­rech­nun­gen bie­ten Sze­na­ri­en eine struk­tu­rier­te Metho­de, um Kos­ten­ent­wick­lun­gen unter ver­schie­de­nen Annah­men abzu­bil­den. Drei typi­sche Vari­an­ten sind:

  • Best Case – opti­mis­tisch, z. B. bei opti­mier­ter Kon­so­li­die­rung oder güns­ti­gen Ener­gie­ta­ri­fen.
  • Rea­li­stic Case – auf Basis aktu­el­ler Nut­zung und geplan­ten Pro­jek­ten.
  • Worst Case – mit Risi­ko­zu­schlä­gen für z. B. Hard­ware-Aus­fäl­le oder Preis­sprün­ge.

Die­se Sze­na­ri­en ermög­li­chen eine trans­pa­ren­te Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Fach­ab­tei­lun­gen und dem Con­trol­ling. Zudem hel­fen sie, Bud­get­spiel­räu­me und mög­li­che Ein­spar­po­ten­zia­le bes­ser zu iden­ti­fi­zie­ren.

Aufbau realistischer On-Prem-Kostenszenarien

Ein belast­ba­res Sze­na­rio besteht typi­scher­wei­se aus fol­gen­den Bau­stei­nen:

a) Technische Inventarisierung

Ohne voll­stän­di­ge Daten­ba­sis kei­ne vali­de Pro­gno­se. Essen­zi­ell sind u. a.:

  • Ser­ver- und Sto­rage-Assets (Modell, Alter, Ener­gie­ver­brauch)
  • Vir­tua­li­sie­rungs­lay­er (Anzahl VMs, Clus­ter­ver­tei­lung)
  • Netz­werk­in­fra­struk­tur (Swit­ches, Fire­walls, etc.)
  • Stand­ort­da­ten (Rechen­zen­tren, RZ-Flä­chen)
  • Lizen­zen (Betriebs­sys­te­me, Daten­ban­ken, Back­up, Moni­to­ring)
  • Betriebs­per­so­nal (inter­ne vs. exter­ne Res­sour­cen)

Tipp: Nut­zen Sie CMDBs wie Ser­viceNow oder i‑doit als Aus­gangs­punkt.

b) Zuweisung zu Kostenobjekten

Kate­go­ri­sie­ren Sie alle Assets nach IT-Towern bzw. Ser­vices:

  • Com­pu­te
  • Sto­rage
  • Net­work
  • Faci­li­ty / Ener­gie
  • Soft­ware-Lizen­zen
  • Per­so­nal & Betrieb

Die­se Kate­go­ri­sie­rung ermög­licht es, gezielt Ände­run­gen im Sze­na­rio (z. B. Ersatz von Sto­rage durch güns­ti­ge­re NAS-Sys­te­me) durch­zu­rech­nen.

c) Ermittlung von Mengentreibern

Wel­che Grö­ßen beein­flus­sen Ihre Kos­ten maß­geb­lich?

  • Anzahl VMs
  • TB Sto­rage
  • Netz­werktraf­fic
  • Anzahl Sup­port­an­fra­gen
  • RZ-Flä­che in m²

Durch die Ver­knüp­fung die­ser Trei­ber mit kon­kre­ten Kos­ten­sät­zen las­sen sich Sze­na­ri­en dyna­misch ska­lie­ren.

d) Parametrierung und Simulation

Erstel­len Sie ein Modell in Excel, Power BI oder spe­zia­li­sier­ten Tools (z. B. App­tio, Ser­vice­wa­re oder USU), mit dem Sie unter­schied­li­che Annah­men durch­spie­len kön­nen:

  • +15 % Sto­rage­be­darf = +8 % Ener­gie­kos­ten?
  • Neue Back­up-Lösung = ‑20 % Lizenz­kos­ten?

Auf die­se Wei­se kön­nen Sie fun­diert argu­men­tie­ren und pla­nen.

Wichtige Datenquellen und Tools

Für ein rea­lis­ti­sches Sze­na­rio-Modell soll­ten Sie auf fol­gen­de Quel­len zurück­grei­fen:

Daten­quel­le

Inhalt / Nut­zen

CMDB

Infra­struk­tur- und Sys­tem­da­ten

ERP-Sys­tem

Ist-Kos­ten und Buchun­gen

Moni­to­ring-Tools

Res­sour­cen­nut­zung (CPU, RAM, Sto­rage)

Lizenz­ma­nage­ment

Lizenz­ty­pen, Nut­zung, Com­pli­ance

Ener­gie­ab­rech­nung

Strom­kos­ten, Ver­brauch je RZ-Bereich

IT-Ser­vice-Manage­ment

Tickets, SLAs, Per­so­nal­auf­wän­de

Pro­jekt­ma­nage­ment­tools

geplan­te Erwei­te­run­gen, tech­ni­sche Ver­än­de­run­gen

Ein gutes Zusam­men­spiel die­ser Quel­len ist Vor­aus­set­zung für zuver­läs­si­ge Pro­gno­sen.

 

Welches Szenario ist das Richtige?

Best Practices aus der Praxis

Fall­bei­spiel 1: Ener­gie­ein­spa­rung durch Hard­ware­tur­nus

Ein Unter­neh­men stell­te im Rah­men sei­ner Sze­na­ri­en fest, dass der Betrieb alter Ser­ver im Worst Case die Ener­gie­kos­ten um 30 % hoch­treibt. Durch ein geziel­tes Erneue­rungs­sze­na­rio konn­te nicht nur das Risi­ko gesenkt, son­dern auch das Bud­get opti­miert wer­den – mit posi­ti­ver Wir­kung auf ESG-Kenn­zah­len.

Fall­bei­spiel 2: Rück­bau still­ge­leg­ter Sys­te­me

Bei der Erstel­lung eines “Rea­li­stic Case”-Szenarios ent­deck­te ein Kun­de 20 % sei­ner VMs ohne Nut­zung. Nach Rück­bau san­ken die Betriebs­kos­ten um 12 %, was vor­her man­gels Sicht­bar­keit nie auf­ge­fal­len war.

Fall­bei­spiel 3: IT-Ser­vices pro Busi­ness Unit

Ein Unter­neh­men seg­men­tier­te erst­mals sei­ne IT-Kos­ten nach Fach­be­rei­chen. Die Sze­na­ri­en hal­fen, IT-Bud­gets künf­tig ver­ur­sa­chungs­ge­recht zu ver­tei­len. Dies führ­te zu einem Show­back-Modell, das intern für mehr Trans­pa­renz sorg­te.

Fazit: Mehr Sicherheit und Steuerbarkeit durch Szenarien

Statt mit gro­ben Schät­zun­gen zu pla­nen, bie­ten Sze­na­ri­en eine struk­tu­rier­te, daten­ge­trie­be­ne und trans­pa­ren­te Metho­de, On-Prem-Kos­ten rea­lis­tisch abzu­bil­den. Die Vor­tei­le sind:

  • Mehr Bud­get­treue: Weni­ger böse Über­ra­schun­gen im Jah­res­ver­lauf
  • Mehr Steu­er­bar­keit: Ziel­ge­rich­te­te Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen
  • Mehr Trans­pa­renz: Argu­men­ta­ti­ons­grund­la­ge für Manage­ment und Fach­be­rei­che
  • Mehr Fle­xi­bi­li­tät: Schnel­le­re Reak­ti­on auf ver­än­der­te Rah­men­be­din­gun­gen

Wer in der On-Prem-IT lang­fris­tig erfolg­reich sein will, soll­te den Wech­sel von sta­ti­schen Hoch­rech­nun­gen zu dyna­mi­schen Sze­na­ri­en ernst­haft in Betracht zie­hen.

Wenn Sie Unter­stüt­zung beim Auf­bau eines belast­ba­ren Sze­na­rio­mo­dells für Ihre On-Prem-IT benö­ti­gen, spre­chen Sie uns ger­ne an. Wir hel­fen Ihnen beim Ein­stieg – von der Daten­er­he­bung bis zur Simu­la­ti­on.

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