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Was Ihre IT wirklich kostet

Technische Kostentreiber erkennen, bevor sie eskalieren

Vie­le Unter­neh­men unter­schät­zen die wah­ren Kos­ten ihrer IT-Land­schaft – nicht aus Nach­läs­sig­keit, son­dern weil tech­ni­sche Kos­ten­trei­ber oft tief in der Infra­struk­tur ver­bor­gen sind. In einer Zeit, in der Kos­ten­kon­trol­le essen­zi­ell ist, lohnt sich ein genau­er Blick auf die tech­ni­schen Struk­tu­ren, die unbe­merkt das Bud­get belas­ten. Clus­ter, Lizenz­mo­del­le, Red­un­danz­kon­zep­te oder falsch dimen­sio­nier­te Res­sour­cen kön­nen über Jah­re hin­weg hohe Mehr­kos­ten ver­ur­sa­chen – und das völ­lig außer­halb des Radars klas­si­scher Con­trol­ling-Sys­te­me.

In die­sem Arti­kel zei­gen wir, wie tech­ni­sche Kos­ten­trei­ber iden­ti­fi­ziert, bewer­tet und redu­ziert wer­den kön­nen – für mehr Trans­pa­renz, Kon­trol­le und letzt­lich auch Hand­lungs­spiel­raum in Ihrer IT-Finanz­pla­nung.

Technische Kostentreiber: Definition und Bedeutung

Tech­ni­sche Kos­ten­trei­ber sind Kom­po­nen­ten, Kon­fi­gu­ra­tio­nen oder Archi­tek­tur­ent­schei­dun­gen inner­halb der IT, die dau­er­haft oder wie­der­keh­rend Kos­ten ver­ur­sa­chen – unab­hän­gig von der tat­säch­li­chen Nut­zung. Sie ent­ste­hen häu­fig durch:

  • über­di­men­sio­nier­te Res­sour­cen
  • kom­ple­xe Lizenz­mo­del­le
  • red­un­dan­te Sys­te­me ohne Nut­zen­ana­ly­se
  • lega­cy-nahe Archi­tek­tur­ent­schei­dun­gen
  • feh­len­de Auto­ma­ti­sie­rung

Sie unter­schei­den sich von ope­ra­ti­ven Kos­ten­trei­bern (wie Per­so­nal oder Betriebs­kos­ten), da sie oft tief im tech­ni­schen Design ver­an­kert sind – und damit schwe­rer iden­ti­fi­zier­bar.

Typische technische Kostentreiber im Überblick

a) Clus­ter- und Hoch­ver­füg­bar­keits­lö­sun­gen

Vie­le Unter­neh­men set­zen auf Clus­ter-Sys­te­me zur Erhö­hung der Aus­fall­si­cher­heit. Doch red­un­dan­te Res­sour­cen sind teu­er – sowohl in der Cloud als auch On-Prem. Eine feh­len­de Kos­ten-Nut­zen-Ana­ly­se kann dazu füh­ren, dass HA-Archi­tek­tu­ren betrie­ben wer­den, die weit über den tat­säch­li­chen Ver­füg­bar­keits­an­for­de­run­gen lie­gen.

Tipp: Prü­fen Sie regel­mä­ßig die Ver­füg­bar­keits-SLAs Ihrer Busi­ness-Ser­vices. Oft genügt eine Reco­very-Zeit von Stun­den statt Sekun­den.

Wei­ter­füh­rend: Dash­boards und KPIs im IT Finan­cial Manage­ment – Quick Wins für die IT-Kos­ten­kon­trol­le

b) Lizen­zen und Lizenz­mo­del­le

Ein beson­ders häu­fig über­se­he­ner Trei­ber sind Soft­ware­li­zen­zen. Vie­le Anwen­dun­gen wer­den pro CPU, Core oder Benut­zer lizen­ziert – unab­hän­gig davon, ob sie genutzt wer­den. In vir­tua­li­sier­ten Umge­bun­gen poten­zie­ren sich die Lizenz­kos­ten unge­wollt, etwa durch dyna­mi­sche Res­sour­cen­ver­ga­be oder Test­sys­te­me mit Pro­duk­ti­ons­li­zen­zie­rung.

Bei­spiel: Ora­cle- oder SAP-Lizen­zen in VMware-Umge­bun­gen, die nicht kor­rekt seg­men­tiert sind.

Maß­nah­me: Füh­ren Sie ein auto­ma­ti­sier­tes Lizenz­mo­ni­to­ring ein, das die tat­säch­li­che Lizenz­nut­zung ana­ly­siert – idea­ler­wei­se inte­griert in Ihre CMDB oder ITAM-Umge­bung.

c) Red­un­dan­zen und Schat­ten-IT

Red­un­danz ist sinn­voll – aber nur dann, wenn sie erfor­der­lich ist. Häu­fig exis­tie­ren dop­pel­te Sys­te­me, Daten­hal­tung oder Pro­zes­se, die his­to­risch gewach­sen sind. Auch Schat­ten-IT – also IT-Sys­te­me, die außer­halb der offi­zi­el­len IT betrie­ben wer­den – ist ein unter­schätz­ter Kos­ten­trei­ber.

Maß­nah­me: Nut­zen Sie CMDB-gestütz­te Dis­co­very-Pro­zes­se und füh­ren Sie regel­mä­ßig Recon­ci­lia­ti­on-Work­shops durch, um red­un­dan­te Sys­te­me sicht­bar zu machen.

Sie­he auch: Auto­ma­ti­sier­te Kos­ten­kon­trol­le in der On-Pre­mi­ses-IT

d) Nicht genutz­te oder falsch dimen­sio­nier­te Cloud-Res­sour­cen

In hybri­den Umge­bun­gen kommt ein wei­te­rer Punkt hin­zu: Reser­vier­te Instan­zen, falsch kon­fi­gu­rier­te Aut­o­s­ca­ler oder nicht abge­schal­te­te Test­um­ge­bun­gen erzeu­gen lau­fen­de Kos­ten – ohne pro­duk­ti­ven Nut­zen.

Fin­Ops hilft: Cloud Finan­cial Manage­ment (CFM) kann hier gezielt auf­de­cken, wo Res­sour­cen unnö­tig Kos­ten ver­ur­sa­chen. Beson­ders hilf­reich sind Tools mit Machi­ne Lear­ning, die Anoma­lien erken­nen.

Wei­ter­füh­rend: Opti­mie­rung der Daten­über­tra­gungs­kos­ten in der Cloud

IT Kosten laufen permanent - es ist es wert diese im Auge zu behalten

Der Weg zur Transparenz: Technische Treiber identifizieren

Die Iden­ti­fi­ka­ti­on tech­ni­scher Kos­ten­trei­ber benö­tigt sowohl tech­ni­sche Exper­ti­se als auch ein struk­tu­rier­tes Vor­ge­hen:

a) Daten­quel­len nut­zen

  • CMDB: lie­fert die tech­ni­sche Struk­tur der Sys­te­me
  • Moni­to­ring-Sys­te­me: zei­gen Lauf­zei­ten, Las­ten und Nut­zung
  • Lizenz­ma­nage­ment-Tools: erfas­sen Lizenz­ver­bräu­che
  • ERP & IT-FM-Sys­te­me: ver­bin­den Tech­nik mit Kos­ten

Checklis­te zur Erfas­sung von On-Prem-Men­gen und ‑Kos­ten

b) Tech­nik & Finan­zen ver­knüp­fen: TBM nut­zen

Tech­no­lo­gy Busi­ness Manage­ment (TBM) bie­tet einen struk­tu­rier­ten Ansatz, um tech­ni­sche Res­sour­cen in Finanz­da­ten zu über­füh­ren. Kos­ten­trei­ber wie Sto­rage, Com­pu­te oder Net­work kön­nen in soge­nann­te Cost Pools ein­ge­ord­net und zu IT-Towern agg­re­giert wer­den.

Quick-Win: Begin­nen Sie mit einem Top-Down-Assess­ment: Wel­che Sys­te­me ver­ur­sa­chen die höchs­ten Betriebs­kos­ten? Was sind die größ­ten Lizenz­blö­cke?

Sie­he auch: Quick Wins bei der TBM-Ein­füh­rung

Frühwarnsysteme etablieren

a) Dash­boards & KPIs ein­füh­ren

Dash­boards kön­nen als Früh­warn­sys­te­me für Kos­ten­trei­ber die­nen. Typi­sche KPIs:

  • Kos­ten je Core/GB/Service
  • Lizenz­kos­ten je genutz­ter User
  • Red­un­danz­quo­te
  • Kos­ten/­Nut­zung-Ver­hält­nis

Mehr dazu: Dash­boards und KPIs – ope­ra­ti­ves ITFM

b) Ver­ant­wort­lich­kei­ten schaf­fen

Tech­ni­sche Ent­schei­dun­gen brau­chen wirt­schaft­li­che Bewer­tung. Ver­an­kern Sie das Kos­ten­be­wusst­sein in Archi­tek­tur-Boards und Chan­ge Advi­so­ry Boards (CAB). Auch der IT-Betrieb muss Kos­ten­wir­kun­gen sei­ner Maß­nah­men ver­ste­hen.

Fazit: Technik verstehen, Kosten beherrschen

Tech­ni­sche Kos­ten­trei­ber sind heim­tü­ckisch: Sie erschei­nen als not­wen­di­ge Kom­ple­xi­tät oder Sicher­heits­maß­nah­me, ent­pup­pen sich aber bei genau­er Ana­ly­se als dau­er­haft kost­spie­li­ge Alt­las­ten oder Über­ver­si­che­run­gen. Die gute Nach­richt: Wer sys­te­ma­tisch ana­ly­siert und mit Busi­ness-Sicht bewer­tet, kann schnell Ein­spar­po­ten­zia­le rea­li­sie­ren – und gleich­zei­tig die Basis für bes­se­re stra­te­gi­sche Ent­schei­dun­gen schaf­fen.

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