So modellierst man ein On-Prem-Rechenzentrum im TBM-Servicekatalog – Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für bessere Cloud-Vergleiche
In der heutigen IT-Landschaft stehen viele Unternehmen vor der Herausforderung, ihre IT-Kosten genau zu verstehen und strategische Entscheidungen über den Betrieb von On-Premise-Rechenzentren oder den Wechsel in die Public Cloud zu treffen. Das Technology Business Management (TBM) Framework bietet eine bewährte Methode, um IT-Kosten transparent zu machen und sie effektiv zu verwalten. Besonders für Unternehmen, die noch stark auf On-Premise-Ressourcen setzen, ist es essenziell, eine Vergleichsbasis mit Public-Cloud-Diensten zu schaffen. Ein sauber strukturierter TBM-Servicekatalog hilft dabei, die tatsächlichen Kosten der eigenen Infrastruktur darzustellen und mit externen Angeboten in Relation zu setzen. In diesem Artikel wird Schritt für Schritt erläutert, wie Unternehmen ihr Rechenzentrum im TBM-Servicekatalog abbilden können, um eine fundierte Entscheidungsgrundlage für IT-Investitionen zu erhalten.
Warum ein TBM-Servicekatalog für On-Prem-Umgebungen entscheidend ist
Der TBM-Servicekatalog dient als zentrales Instrument zur Erfassung und Verwaltung der IT-Kosten eines Unternehmens. Besonders in hybriden IT-Landschaften, in denen sowohl On-Premise als auch Cloud-Ressourcen genutzt werden, ist es notwendig, eine einheitliche Darstellung der IT-Dienstleistungen zu gewährleisten. Ein gut strukturierter Servicekatalog ermöglicht es, die Kosten von On-Prem-Umgebungen nachvollziehbar darzustellen und mit Cloud-Angeboten zu vergleichen. Dadurch lassen sich informierte Entscheidungen über Workload-Migrationen treffen, Budgetierungsprozesse verbessern und interne Abrechnungsmodelle (Chargeback/Showback) implementieren.
Schritt 1: Inventarisierung und Klassifikation von IT-Services
Bevor eine präzise Kostenbewertung erfolgen kann, müssen sämtliche IT-Services und Infrastrukturkomponenten erfasst werden. Dazu gehören:
- Physische Server und virtuelle Maschinen
- Storage-Systeme und Datenbanken
- Netzwerkinfrastruktur
- Softwarelizenzen und Middleware
- Betriebssysteme und Virtualisierungstechnologien
Sobald diese Komponenten erfasst sind, sollten sie in logische Gruppen zusammengeführt werden, um eine bessere Zuordnung zu ermöglichen. Dies kann beispielsweise auf Basis von Abteilungen, Anwendungen oder Geschäftsbereichen erfolgen. Ziel ist es, ein klares Verständnis über die Nutzung und Verteilung der IT-Ressourcen innerhalb des Unternehmens zu erhalten.
Schritt 2: Mapping auf TBM-Cost Pools
Das TBM-Framework unterteilt IT-Kosten in verschiedene Cost Pools, um Transparenz über die Verteilung der Ausgaben zu schaffen. Die wichtigsten Cost Pools für On-Prem-Umgebungen sind:
- Compute: Kosten für Serverhardware, Virtualisierung und Betriebssysteme
- Storage: Kosten für SAN/NAS-Speicher, Backup und Archivierung
- Network: Ausgaben für LAN/WAN, Load Balancer und Firewalls
- Software: Lizenzkosten für Betriebssysteme, Datenbanken und Middleware
- Facilities: Kosten für Rechenzentrumsbetrieb, Strom, Kühlung und Wartung
Jede Infrastrukturkomponente sollte einem dieser Cost Pools zugeordnet werden. Auf diese Weise lässt sich eine konsistente und nachvollziehbare Kostenstruktur erstellen, die später mit Cloud-Preismodellen verglichen werden kann.
Schritt 3: Einheitliche Preismodelle für Vergleichbarkeit mit der Cloud
Um fundierte Entscheidungen über eine mögliche Migration in die Cloud zu treffen, müssen die Kosten von On-Premise-Umgebungen mit denen von Public-Cloud-Anbietern verglichen werden. Hierfür empfiehlt es sich, ein standardisiertes Preismodell zu erstellen. Die wichtigsten Metriken für den Vergleich sind:
- Kosten pro vCPU und vRAM: Berechnung der durchschnittlichen Kosten für virtuelle CPUs und RAM-Einheiten
- Kosten pro TB Storage: Ermittlung der Speicherkosten für verschiedene Speicherklassen (z. B. SSD, HDD, Archivierung)
- Netzwerkkosten pro GB Traffic: Analyse der internen und externen Netzwerkverbindungskosten
Zusätzlich sollten indirekte Kosten, wie Administrationsaufwand oder Lizenzkosten, mit einbezogen werden, um ein möglichst realistisches Bild der tatsächlichen IT-Kosten zu erhalten.
Schritt 4: Verrechnung und Chargeback-Optionen
Um die IT-Kosten innerhalb des Unternehmens transparent zu machen, sollte ein Verrechnungsmodell eingeführt werden. Dabei gibt es zwei gängige Ansätze:
- Showback: Die Kosten werden den einzelnen Abteilungen oder Anwendungen zugewiesen, aber nicht tatsächlich verrechnet. Dies dient zur Sensibilisierung der Nutzer für ihre IT-Kosten.
- Chargeback: Die IT-Abteilungen rechnen die tatsächlichen Kosten der IT-Ressourcen den Fachbereichen oder Anwendungen zu. Dies fördert eine kostenbewusste Nutzung von IT-Ressourcen.
Beide Modelle helfen dabei, ein Verständnis für die tatsächlichen IT-Kosten zu schaffen und ermöglichen es den Fachabteilungen, gezielt Einsparungen vorzunehmen oder alternative Lösungen zu evaluieren.
Schritt 5: Reporting und Dashboards für Transparenz
Ein wichtiger Bestandteil eines effektiven TBM-Ansatzes ist die kontinuierliche Überwachung und Analyse der IT-Kosten. Dies geschieht idealerweise über Dashboards, die zentrale KPIs visualisieren. Wichtige Kennzahlen sind:
- Gesamtkosten pro IT-Service
- Durchschnittliche Kosten pro Workload oder Anwendung
- Einsparpotenziale durch Optimierung oder Cloud-Migration
Moderne BI-Tools wie Power BI, Tableau oder TBM-Tools ermöglichen eine übersichtliche Darstellung der Daten und helfen dabei, Optimierungspotenziale frühzeitig zu erkennen.
Fazit
Die strukturierte Modellierung eines On-Premise-Rechenzentrums im TBM-Servicekatalog ist ein essenzieller Schritt, um die IT-Kosten zu verstehen und strategische Entscheidungen zu treffen. Durch eine klare Zuordnung der Infrastrukturkosten zu TBM-Cost Pools, die Einführung eines einheitlichen Preismodells und die Implementierung von Chargeback-Mechanismen lässt sich eine solide Vergleichsbasis mit Public-Cloud-Anbietern schaffen. Unternehmen profitieren von einer höheren Kostentransparenz, besseren Budgetierungsprozessen und der Möglichkeit, fundierte Entscheidungen über zukünftige IT-Investitionen zu treffen. Die Einführung eines TBM-gestützten Servicekatalogs stellt somit eine wichtige Grundlage für eine effiziente IT-Finanzstrategie dar.
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