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Von der Kostenstruktur zum Service

Wie du Nutzenaspekte konkret ableitest

In den vor­he­ri­gen Tei­len die­ser Serie haben wir uns inten­siv mit der Auf­be­rei­tung und Struk­tu­rie­rung von IT-Kos­ten beschäf­tigt. Wir haben gese­hen, wie wich­tig es ist, Trans­pa­renz über die bestehen­den Cost Pools und IT-Tower zu schaf­fen, um eine belast­ba­re Aus­gangs­ba­sis für jede wei­te­re Betrach­tung zu erhal­ten. Doch mit der rei­nen Dar­stel­lung von Kos­ten ist es nicht getan. Im heu­ti­gen Teil schau­en wir uns an, wie sich aus einer ers­ten Kos­ten­struk­tur kon­kre­te IT-Ser­vices ablei­ten las­sen – und wie du die­se mit geschäfts­re­le­van­ten Nut­zen­aspek­ten ver­knüpfst.

Warum es nicht bei der Kostenstruktur bleiben darf

Eine struk­tu­rier­te Kos­ten­ba­sis ist ein wich­ti­ger ers­ter Schritt im Tech­no­lo­gy Busi­ness Manage­ment (TBM). Sie beant­wor­tet die Fra­ge: „Was kos­tet uns unse­re IT – und wofür?“ Doch die­se Infor­ma­ti­on allein bleibt für vie­le Ent­schei­dungs­trä­ger abs­trakt. Um ech­ten Mehr­wert für Fach­be­rei­che, Manage­ment und Con­trol­ling zu schaf­fen, müs­sen wir in den Dia­log mit dem Busi­ness tre­ten – und die Brü­cke schla­gen zwi­schen Kos­ten und Nut­zen. Erst durch die­se Per­spek­ti­ve ent­steht ein voll­stän­di­ges Bild, das zur Steue­rung taugt.

Services als Brücke zwischen Technik und Business

In der TBM-Logik ist der IT-Ser­vice die ent­schei­den­de Ver­bin­dungs­ein­heit zwi­schen tech­ni­schen Res­sour­cen und geschäft­li­chem Nut­zen. Ein Ser­vice ist mehr als nur ein Sys­tem oder eine Anwen­dung – er ist ein Ange­bot an das Busi­ness. Und wie jedes Ange­bot muss es ver­ständ­lich, bewert­bar und ver­gleich­bar sein.

Doch wie kommt man dahin? Wie wird aus einem Cost Pool ein Ser­vice? Die Ant­wort liegt in der Kom­bi­na­ti­on von struk­tu­rel­ler Ana­ly­se und betrieb­li­cher Erfah­rung.

Schritt 1: Die Kostenstruktur analysieren – mit Blick auf Services

Neh­men wir an, du hast bereits dei­ne On-Prem- oder Cloud-Kos­ten nach Cost Pools (z. B. Hard­ware, Soft­ware, Per­so­nal, Dritt­leis­tun­gen) und IT-Towern (Com­pu­te, Sto­rage, Net­work etc.) klas­si­fi­ziert. Die nächs­ten Fra­gen lau­ten:

  • Wel­che die­ser Kos­ten las­sen sich einem kon­kre­ten Ser­vice­an­ge­bot zuord­nen?
  • Wel­che Kom­po­nen­ten tre­ten regel­mä­ßig gemein­sam auf?
  • Wo gibt es defi­nier­te Schnitt­stel­len zum Fach­be­reich?

Die­se Fra­gen hel­fen dabei, Ser­vices zu iden­ti­fi­zie­ren, die sich aus der Infra­struk­tur her­aus­kris­tal­li­sie­ren. Ein Bei­spiel: Wenn du siehst, dass Com­pu­te, Sto­rage, ein gewis­ser Lizenz­block und Per­so­nal­res­sour­cen regel­mä­ßig für eine inter­ne Appli­ka­ti­on auf­ge­wen­det wer­den, kannst du die­se Appli­ka­ti­on als Ser­vice defi­nie­ren – etwa als „CRM-Platt­form“ oder „Digi­ta­le Akte“.

Schritt 2: Servicekandidaten clustern und benennen

Nun geht es dar­um, sinn­vol­le Grup­pen zu bil­den – aus tech­ni­scher, betrieb­li­cher und wirt­schaft­li­cher Sicht. Dabei soll­test du auf fol­gen­de Kri­te­ri­en ach­ten:

  • Klar erkenn­ba­re Nut­zer­grup­pe: Wer kon­su­miert die­sen Ser­vice? Ein Fach­be­reich? Die gesam­te Beleg­schaft?
  • Ein­heit­li­che Leis­tungs­be­schrei­bung: Gibt es einen defi­nier­ten Umfang, SLAs oder Ver­ant­wort­lich­kei­ten?
  • Mess­bar­keit der Nut­zung: Kannst du die Inan­spruch­nah­me erfas­sen und bezif­fern?

Je nach Rei­fe­grad dei­ner Orga­ni­sa­ti­on kannst du mit einem über­schau­ba­ren Set von Ser­vices begin­nen – etwa 5 bis 15 zen­tra­le Ser­vices – und die­ses nach und nach aus­bau­en.

Schritt 3: Nutzenaspekte definieren

Der ent­schei­den­de Schritt liegt dar­in, jedem Ser­vice nicht nur Kos­ten, son­dern auch einen erkenn­ba­ren Nut­zen zuzu­ord­nen. Das ist kein Selbst­zweck, son­dern die Grund­la­ge für stra­te­gi­sche Ent­schei­dun­gen – z. B. Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen, Preis­ge­stal­tung, Auto­ma­ti­sie­rung oder Out­sour­cing.

Typi­sche Nut­zen­aspek­te kön­nen sein:

  • Pro­zess­un­ter­stüt­zung: Wel­che Geschäfts­pro­zes­se wer­den durch die­sen Ser­vice ermög­licht oder beschleu­nigt?
  • Kun­den­zu­gang: Ermög­licht der Ser­vice Kun­den­in­ter­ak­ti­on, Self-Ser­vice oder bes­se­re Erreich­bar­keit?
  • Com­pli­ance: Dient der Ser­vice der Erfül­lung regu­la­to­ri­scher Anfor­de­run­gen?
  • Wett­be­werbs­vor­teil: Unter­stützt der Ser­vice Inno­va­tio­nen, Time-to-Mar­ket oder Dif­fe­ren­zie­rung?

Ein gut beschrie­be­nes Bei­spiel:

„Der Ser­vice ‘Digi­ta­le Per­so­nal­ak­te’ ermög­licht HR-Pro­zes­sen die papier­lo­se Ver­wal­tung von Mit­ar­bei­ter­da­ten, redu­ziert Bear­bei­tungs­zei­ten um 40 % und ver­bes­sert die Ein­hal­tung von Daten­schutz­vor­ga­ben gemäß DSGVO.“

Sol­che Beschrei­bun­gen sind Gold wert. Sie schaf­fen Ver­ständ­nis, för­dern die Akzep­tanz – und bie­ten die Basis für eine wer­te­ba­sier­te IT.

Schritt 4: Operationalisieren – Servicekatalog und Metriken

Wenn du dei­ne Ser­vices benannt und beschrie­ben hast, emp­fiehlt sich der Auf­bau eines Ser­vice­ka­ta­logs. Die­ser dient nicht nur zur inter­nen Doku­men­ta­ti­on, son­dern ist auch das zen­tra­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel gegen­über dem Busi­ness.

Ein gut struk­tu­rier­ter Ser­vice­ka­ta­log ent­hält:

  • Ser­vice­na­me
  • Kurz­be­schrei­bung
  • Zuge­hö­ri­ge Leis­tun­gen (technisch/funktional)
  • Ver­ant­wort­li­cher Ansprech­part­ner
  • Kos­ten­struk­tur (ggf. Preis)
  • Metri­ken zur Nut­zung
  • Nut­zen­be­schrei­bung

Im Ide­al­fall lässt sich dar­aus eine voll­stän­di­ge Über­sicht ablei­ten, mit der du auch ein Show­back- oder Char­ge­back-Modell eta­blie­ren kannst. Doch das ist The­ma für einen spä­te­ren Arti­kel.

Vom Kostenblock zum Service: nur auf der gleichen Augenhöhe möglich

Schritt 5: Kommunikation und Feedback

Der schöns­te Ser­vice­ka­ta­log bringt nichts, wenn ihn nie­mand kennt oder ver­steht. Des­halb ist es essen­zi­ell, den Dia­log mit den Fach­be­rei­chen zu suchen. Nut­ze Work­shops, Demo-Ses­si­ons oder kur­ze Prä­sen­ta­tio­nen im Füh­rungs­kreis, um die Ser­vices vor­zu­stel­len und die Nut­zen­aspek­te zu dis­ku­tie­ren.

Das Ziel: Ein gemein­sa­mes Ver­ständ­nis von Wert – und ein kon­struk­ti­ver Aus­tausch dar­über, was IT leis­ten muss, um die­sen Wert zu sichern oder zu stei­gern.

Beispiel aus der Praxis

Ein mit­tel­stän­di­sches Unter­neh­men im Bereich Maschi­nen­bau führ­te im Rah­men eines TBM-Pro­jekts eine Ana­ly­se sei­ner IT-Kos­ten durch. Dabei wur­den 180 Ein­zel­kos­ten­po­si­tio­nen auf 12 tech­ni­sche Ser­vices abge­bil­det. Für jeden die­ser Ser­vices wur­de eine Nut­zen­ar­gu­men­ta­ti­on for­mu­liert. Ergeb­nis: In der nächs­ten Bud­get­run­de konn­te das IT-Bud­get nicht nur ver­tei­digt, son­dern gezielt um einen Betrag X erhöht wer­den – mit dem Argu­ment, dass bestimm­te Ser­vices direkt zur Umsatz­stei­ge­rung im After-Sales bei­tra­gen. Die Vor­aus­set­zung war jedoch, dass die­se Ser­vices zuvor beschrie­ben und betriebs­wirt­schaft­lich „über­setzt“ wur­den.

Fazit: Vom Controller zum Wertschöpfer

Der Über­gang von einer blo­ßen Kos­ten­be­trach­tung zur ser­vice- und nut­zen­ori­en­tier­ten IT ist kein Selbst­läu­fer. Er erfor­dert Ana­ly­se, Struk­tur und eine sau­be­re Kom­mu­ni­ka­ti­on – aber auch den Mut, Din­ge zu ver­än­dern. TBM lie­fert die Metho­dik, doch der Unter­schied liegt in der Umset­zung. Wer IT-Ser­vices als Pro­dukt ver­steht und sie kon­se­quent mit Nut­zen­zie­len ver­bin­det, eta­bliert sich als stra­te­gi­scher Part­ner im Unter­neh­men.

Im nächs­ten und abschlie­ßen­den Teil die­ser Blog­rei­he wid­men wir uns dem The­ma „Vom Ser­vice zur Steue­rung: Wie du mit Ser­vice­prei­sen, Show­back und Char­ge­back ech­ten Hand­lungs­spiel­raum gewinnst“. Dort zei­gen wir, wie du aus den abge­lei­te­ten Ser­vices kon­kre­te Steue­rungs­in­stru­men­te ent­wi­ckelst – inklu­si­ve Preis­bil­dung, Trans­pa­renz für Fach­be­rei­che und stra­te­gi­scher Bud­ge­t­ar­beit.

Bleib also dran – es lohnt sich!

Du möch­test so etwas für dein Unter­neh­men?

Wir hel­fen dir dabei, aus einer unüber­sicht­li­chen Kos­ten­struk­tur greif­ba­re IT-Ser­vices zu ent­wi­ckeln – und die­se mit geschäfts­re­le­van­tem Nut­zen zu ver­knüp­fen. Ob als stan­dar­di­sier­te Ana­ly­se oder als indi­vi­du­el­ler Work­shop: Sprich uns ger­ne an, wenn du IT end­lich mit dem Busi­ness auf Augen­hö­he ver­bin­den willst.

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