Du betrachtest gerade Vom Kostenblock zum Service — 2. Teil der TBM-Reihe

Vom Kostenblock zum Service — 2. Teil der TBM-Reihe

TBM-gestützte Transformation On-Prem
Teil 2: Ausgangssituation analysieren – Transparenz schaffen trotz unvollständiger Daten

In der ers­ten Pha­se einer TBM-gestütz­ten Trans­for­ma­ti­on steht die Erkennt­nis im Vor­der­grund: Kos­ten ent­ste­hen, aber sie sind oft nicht oder nur teil­wei­se zuor­den­bar. In vie­len Rechen­zen­tren und IT-Abtei­lun­gen fehlt es an durch­gän­gi­ger Trans­pa­renz, weil his­to­ri­sche Pro­zes­se, gewach­se­ne Struk­tu­ren und unvoll­stän­di­ge Daten die direk­te Zuord­nung zu Ser­vices oder Ver­brau­chern ver­hin­dern. Und trotz­dem: Der Weg in Rich­tung Ser­vice­ori­en­tie­rung beginnt genau hier – mit einer prag­ma­ti­schen Ana­ly­se der vor­han­de­nen Daten.

Der Realitätscheck: Was ist wirklich da?

Oft lie­gen nur frag­men­tier­te Infor­ma­tio­nen über die IT-Kos­ten vor. Typi­sche Her­aus­for­de­run­gen:

  • Betriebs­kos­ten wer­den als Sam­mel­bu­chung in der GuV erfasst.
  • Tech­ni­sche Inven­ta­re (z. B. in der CMDB) ent­hal­ten ver­al­te­te oder unvoll­stän­di­ge Ein­trä­ge.
  • Eine Tren­nung zwi­schen Inves­ti­ti­ons- und Betriebs­kos­ten fehlt.
  • IT-Ser­vices wer­den noch nicht als sol­che ver­stan­den oder benannt.

Ziel die­ser Pha­se: Eine belast­ba­re Daten­grund­la­ge schaf­fen – auch wenn sie unvoll­stän­dig ist.

Erhebung: Bottom-up und Top-down kombinieren

Eine rein tech­ni­sche Sicht reicht nicht aus. TBM setzt auf die Kom­bi­na­ti­on von:

  • Bot­tom-up-Ansät­zen: Aus­ge­hend von vor­han­de­nen Infra­struk­tur­da­ten (z. B. Ser­ver, Sto­rage, Netz) wer­den ers­te Kos­ten­trä­ger abge­lei­tet.
  • Top-down-Ansät­zen: Aus Gesamt­kos­ten (z. B. aus SAP FI/CO oder einer Kos­ten­stel­len­rech­nung) wer­den die zen­tra­len IT-Tower oder Cost Pools defi­niert.

Die­se Per­spek­ti­ven müs­sen zusam­men­ge­führt wer­den – auch wenn es anfangs nur grob mög­lich ist.

Hilf­rei­che Prin­zi­pi­en bei Daten­lü­cken

Wenn Daten feh­len, hilft ein struk­tu­rier­tes Vor­ge­hen:

  • Kos­ten­al­lo­ka­ti­on über Schät­zun­gen: Wenn genaue Daten feh­len, kön­nen Inter­views mit Betriebs­teams oder Erfah­rungs­wer­te genutzt wer­den, um Zuord­nun­gen zu tref­fen.
  • Tech­ni­sches Map­ping über CMDB: Auch wenn die Daten nicht voll­stän­dig sind, lie­fern sie oft einen Start­punkt für eine Grob­struk­tur.
  • “Ser­vice-Ver­mu­tung”: Tech­ni­sche Kom­po­nen­ten las­sen sich häu­fig zu ver­mu­te­ten Ser­vices agg­re­gie­ren (z. B. meh­re­re Win­dows-VMs = ein Appli­ka­ti­ons-Stack für einen Fach­be­reich).
  • Clus­ter­bil­dung: Meh­re­re ähn­li­che Sys­te­me kön­nen vor­erst als ein Clus­ter betrach­tet und gemein­sam bewer­tet wer­den.

Quick Wins durch Visualisierung

Ein sehr wirk­sa­mer Hebel in die­ser Pha­se ist das Visua­li­sie­ren der vor­han­de­nen Trans­pa­renz­lü­cken:

  • Wel­che Kos­ten sind bereits ein­deu­tig einem tech­ni­schen Ser­vice zuge­ord­net?
  • Wel­che Sys­te­me ver­ur­sa­chen hohe Kos­ten, ohne bekann­ten Zweck?
  • Wel­che Ser­vices sind beson­ders teu­er im Ver­hält­nis zu ihrer Nut­zer­an­zahl?

Sol­che Visua­li­sie­run­gen schaf­fen Auf­merk­sam­keit und sind der ers­te Schritt in Rich­tung Gover­nan­ce.

TBM: Datenlücken sind eher die Regel als die Ausnahme

Ergebnis: Erste TBM-Kostenzuordnung trotz Datenlücken

Am Ende die­ser Pha­se liegt kei­ne per­fek­te Trans­pa­renz vor – aber ein belast­ba­rer Start­punkt:

  • Ers­te IT-Tower wie Com­pu­te, Sto­rage, Net­work, Faci­li­ties oder Apps sind defi­niert.
  • Ein initia­les Map­ping der Kos­ten auf Cost Pools und ggf. Appli­ka­ti­ons­grup­pen exis­tiert.
  • Es wird klar, wo drin­gend Hand­lungs­be­darf besteht (z. B. Schat­ten-IT oder ver­wais­te Sys­te­me).

Fazit: Es geht nicht um Perfektion, sondern um Bewegung

Die Aus­gangs­si­tua­ti­on ist nie ide­al. Wich­tig ist, über­haupt zu star­ten und ein kon­ti­nu­ier­li­ches Modell zu eta­blie­ren. TBM erlaubt genau das – mit einem ite­ra­ti­ven Ansatz, der sich über die nächs­ten Pha­sen hin­weg ver­fei­nert. Die Trans­pa­renz wächst mit jeder Ite­ra­ti­on.

Im nächs­ten Teil der Serie geht es dar­um, wie du aus die­ser ers­ten Kos­ten­struk­tur kon­kre­te Ser­vices ablei­test und mit Nut­zen­aspek­ten ver­knüpfst.

Schreibe einen Kommentar